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HERCULES untersucht Dynamik, Muster und treibende Faktoren des Wandels von Kulturlandschaften, z. B. in Lenk im Obersimmenthal (BE).

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Lenk im Obersimmental (BE), 1840: An den steilen Hängen wird Wildheu geerntet, stämmige Simmentaler Kühe weiden auf den Alpen. Die prächtigen Bauernhäuser zeugen vom Wohlstand der Viehzüchter. Ende 19. Jahrhundert verschlechtern Miss­ernten und die Konkurrenz durch Käsereien im Tal die ökonomische Situation. Viele Lenker wandern aus. Mangels Arbeitskräften liegen etliche Weiden brach, der Wald rückt vor. Für Aufschwung sorgt ab den 1960er-Jahren der Wintertourismus, auf den Weiden werden Ferienhäuser gebaut. Landwirtschaftssubventionen, die stabile Wirtschaft und Raumplanungsvorschriften verlangsamen seither den Wandel.

So lässt sich die Entwicklung der Lenker Landschaft im Zeitraffer beschreiben. WSL-Forschende haben sie im Rahmen des EU-Projekts HERCULES rekonstruiert, und zwar mit historischem Kartenmaterial und Gesprächen mit älteren, langjährigen Einwohnern der Lenk. HERCULES untersucht Kulturlandschaften, also die gesamte Umwelt, die in irgendeiner Weise vom Menschen beeinflusst wird. «Kulturlandschaften können nicht zerstört, sondern nur umgestaltet werden», erklärt Matthias Bürgi, der die Arbeiten der WSL im HERCULES-Projekt leitet.

Die meisten Europäer sind gemäss ersten Resultaten der Ansicht, dass die aktuelle Umgestaltung zum Schlechteren führt. Dazu tragen vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft, die Auswirkungen der Industrialisierung sowie die Verstädterung bei. Die HERCULES-Studie bestimmte die Dynamik, die Muster sowie die treibenden Faktoren des Wandels und bietet so Hilfe, ihn besser steuern zu können.
In der Fallstudienregion Obersimmental-Lenk waren bessere Stras­sen- und Bahnverbindungen, die Mechanisierung und Motorisierung der Landwirtschaft und der Tourismus ausschlaggebend für die Landschaftsveränderungen der letzten 150 Jahre. In neuerer Zeit empfinden die Menschen zudem den Klimawandel als gravierenden Einfluss auf die Landschaft: «Die Gletscher schmelzen rasch. Man sieht sie nicht mehr vom Talgrund.»

Was nützt dieses Wissen? «Die Auseinandersetzung mit der Entwicklung verändert die Sichtweise auf die eigene Gemeinde, was zu einem achtsameren Umgang mit der Landschaft beitragen kann», sagt Bürgi. (Beate Kittl, Diagonal 2/17)