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Monoplotting: Landschaftsveränderungen aufgrund von Fotografien erfassen

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Marco Conedera staunte nicht schlecht, als die Anfrage aus Rio de Janeiro kam. Der Koordinator der Abteilung Photographie des Instituto Moreira Salles – einer Organisation für Kulturförderung – war im Internet auf das Monoplotting-Tool gestossen. Claudio Bozzini, Patrik Krebs und Marco Conedera entwickelten diese kostenlose Software an der WSL-Aussenstation im Tessin. Mit Monoplotting lassen sich auf beliebigen Fotografien Landschaftsmerkmale wie Gewässer oder Felssporne digitalisieren und mit einer Genauigkeit von Dezimetern bis wenigen Metern auf eine Landkarte übertragen. Einzige Voraussetzungen an das Foto: Es muss digital vorhanden und gut aufgelöst sein sowie vier oder mehr Passpunkte aufweisen, also Landschaftselemente, die sowohl auf dem Bild als auch auf einer Landkarte eindeutig erkennbar sind. Anhand dieser Punkte lässt sich das Foto georeferenzieren, das heisst, jedem Pixel auf dem Bild wird eine reale Koordinate zugeordnet.

Diese Technik eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Anhand des riesigen Schatzes an historischen Fotografien, der vielerorts in Archiven brachliegt, lässt sich nun erstmals auch quantitativ dokumentieren, wie sich die Landschaft verändert – um wie viele Meter die Waldgrenze steigt zum Beispiel oder wie viele Laufmeter an Terrassierungen früher eine heute bewaldetete Landschaft durchzogen. Eine Technik, für die sich nun auch das Instituto Moreira Salles interessiert: Es möchte mit dem Monoplotting-Tool mehr als 10 000 Bilder aus Rio und anderen Gebieten in Brasilien quantitativ auswerten, eine einmalige Sammlung, die seit dem 19. Jahrhundert besteht.

Das Ausmass von Natur­ereignissen besser erfassen

Doch die Software eignet sich nicht nur für die Analyse von historischen Fotografien. Sie hat auch ein grosses Potenzial, aktuelle Naturereignisse zu dokumentieren. Oft können z. B. Murgänge, die gleichzeitig oder in unwegsamem Gelände abgehen, nur durch gezieltes Fotografieren festgehalten werden. Dasselbe gilt für besonders schwere Hangmuren, wenn es vorrangig darum geht, Rettungsmassnahmen einzuleiten. Monoplotting ermöglicht es, solche Bilder später in Ruhe im Büro auszuwerten und so beispielsweise die genaue Ausdehnung der Murgangablagerung zu berechnen. Ein Vorteil, der auch dem Bundesamt für Umwelt nicht entgangen ist. Das BAFU hat Conedera und sein Team beauftragt, eine Schnittstelle zu programmieren, um Fotos, die mit dem Monoplotting-Tool ausgewertet wurden, in StorMe importieren zu können. StorMe ist die Datenbank des Naturgefahren-Ereig­niskatasters, welchen die Kantone im Auftrag des Bundes führen. In Zukunft sollen die Mitarbeitenden der Kantone einen Teil der Schäden direkt mit dem Monoplotting-Tool erfassen können – und so noch einfacher über die Naturereignisse Buch führen. (Christine Huovinen, Diagonal 2/16)