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Die Renaturierung von Flüssen und Bächen im Spiegel der Medien

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Rund 15 000 Kilometer Flüsse und Bäche in der Schweiz sind stark verbaut. Seit 2011 verpflichtet das Gewässerschutzgesetz die Kantone, einen Teil dieser Gewässer ökologisch aufzuwerten, indem beispielsweise Lebensräume für standorttypische Tier- und Pflanzenarten geschaffen werden. Gleichzeitig wird angestrebt, durch breitere Flussbetten die potenziellen Schäden von Hochwassern zu reduzieren. Trotz diesen positiven Auswirkungen sind Renaturierungen oft umstritten, unter anderem, weil sie häufig Kulturland beanspruchen und die Nutzung der Gewässer zum Beispiel für die Energieerzeugung einschränken. Partizipative Verfahren, in denen die Betroffenen ihre Standpunkte einbringen können, helfen, solche Nutzungskonflikte möglichst einvernehmlich zu lösen. Da in diese Verfahren meist nur relativ wenige Personen direkt einbezogen sind, bildet sich die breite Bevölkerung ihre Meinung vorwiegend aufgrund von Medienberichten. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, wie die Renaturierungen von Bächen und Flüssen dort dargestellt werden.

 

Regelmässig vertiefende Information der Bevölkerung empfohlen

Um besser zu verstehen, wie die Medien über Renaturierungen berichten, werteten WSL-Forschende systematisch rund 700 Artikel aus, die zwischen 2000 und 2013 in drei Zeitungen in den Kantonen Bern und Wallis erschienen waren. Sie untersuchten unter anderem, welche Akteure zu Wort kamen und welche Argumente vorgebracht wurden. «Die Bericht­erstattung ist überraschend stark durch befürwortende Argumente geprägt», erklärt Helena Zemp, die für die Auswertung verantwortlich war. Ein Grund dafür kann sein, dass kritische Standpunkte nicht bis zu den Journalisten vordringen. Laut Zemp waren die von den Medien angeführten Argumente zudem meist wenig differenziert. Schliesslich gab es Themenbereiche, die in allen drei Zeitungen kaum aufbereitet wurden, zum Beispiel, wie sich die Eingriffe auf die Landwirtschaft oder die Nutzung der Wasserkraft auswirken. In einem kürzlich erschienenen WSL-Bericht empfehlen die Autoren deshalb, dass Projektverantwortliche die Bevölkerung zum Beispiel an Podiumsdiskussionen oder via Newsletter informieren, insbesondere auch über von den Medien vernachlässigte Themen. Zemp: «Mehr Hintergrundwissen würde der Bevölkerung erlauben, sich ein differenzierteres Urteil über geplante Renaturierungsprojekte zu bilden.» (Martin Heggli, Diagonal 1/16)