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Fussgängerströme berechnen, um Spazierwege zu optimieren

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Ein Wald in Gehdistanz oder ein Spazierweg entlang eines Gewässers machen eine Wohngegend beliebter und regen die Bevölkerung zum Spazieren oder Joggen an. Gemeinden möchten ihren Bürgerinnen und Bürgern ein attraktives Lebensumfeld bieten, und dazu gehören leicht erreichbare Nah­erholungsgebiete, zu denen möglichst keine Barrieren die Zugänge erschweren. Ein neues Computermodell der WSL simuliert die Fussgängerströme zwischen Wohnquartieren und Nah­erholungsgebieten und liefert so Hinweise dazu, welche Wirkung Verbesserungen von Spazierwegen haben.

 

Das Modell ist ein sogenanntes agentenbasiertes Modell, das die Entscheidungen von Individuen darstellt. Jeder Agent steht hier für eine spazierende Person, die von ihrem Wohnort in ein attraktives Naherholungsgebiet geht und wieder zurück. An jeder Wegkreuzung entscheidet der Agent, wie er weitergeht. Kriterien dafür sind die Wegbeschaffenheit – also ob es ein Pfad, ein Schotterweg oder eine Teerstrasse ist –, aber auch Aspekte der Landschaftsqualität wie schöne Aussicht oder ein Gewässer.

Im Modell rechneten die Forschenden verschiedene Entscheidungsstrategien durch: die kürzeste oder die landschaftlich schönste Route, eine kombinierte Strecke und eine rein zufällige Wahl. Für jede Strategie wurden 100 Agenten-Durchläufe gerechnet. Die Ergebnisse zeigen auf, welche Wirkung bestimmte Aufwertungsmassnahmen haben. Das kann eine Fussgängerbrücke oder eine Unterführung unter der Autobahn sein, verkürzte Zugangswege zu einem hübschen Gewässer oder Wald oder Naturbelag auf den Wegen. Das Modell hilft so den Gemeinden bei der Priorisierung geplanter Massnahmen. «Attraktivere, kürzere Wege mit viel Natur locken auch zu Fuss gehende Personen aus entfernteren Quartieren an», sagt Projektleiterin Silvia Tobias, die diese Methode im Rahmen eines Modellvorhabens des Bundes entwickelt hat.

Wie gut das Modell mit den Entscheidungen von echten Erholungssuchenden übereinstimmt, haben die Forschenden in einer Umfrage überprüft. Einheimische in Wil (SG) zeichneten ihre Spazier- und Joggingrouten in Karten ein. Das Modell bildet die in der Realität gewählten Wege recht gut ab und liefert Gemeinden somit plausible Hinweise darauf, ob es sich lohnt, bestimmte Hindernisse zu entfernen. Die Forschenden haben das Modell versuchsweise auf die Glattpark-Region übertragen und mit dortigen Umfrage-Ergebnissen verglichen. «Wir kamen auf ähnliche Resultate wie bei einem Vergleich mit realen Spazierwegen», sagt Tobias. Daraus kann man schliessen, dass sich das Agentenmodell im Prinzip auf alle Agglomerationen in der Schweiz anwenden lässt. (Beate Kittl, Diagonal 1/19)