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In welchen Regionen sich aus Biomasse zusätzliche Energie gewinnen lässt

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Biomasse ist weit mehr als Holz und Mist, mit denen der Mensch seit Jahrtausenden Wärme erzeugt und Kochstellen befeuert. Auch Sägespäne, Schnittgut von Strassen- und Bahnböschungen, biologische In­du­strie- und Gewerbeabfälle und Klär­schlamm fallen unter diesen Sammelbegriff. WSL-Untersuchungen zeigen: In Biomasse, vor allem in Waldholz und Hofdünger, also Mist und Gülle, schlummert heute viel erneuerbare Energie. Wenn man diese nutzt, spart man klimaschädliche Treibhausgase wie Methan ein. Etwa neun Prozent des Schweizer Brutto­energieverbrauchs liessen sich damit decken. Gegenüber Wind- und Sonnenenergie hat Bioenergie den Vorteil, dass sie sich jederzeit erzeugen lässt und nicht nur dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint.

 

Bisher war nicht bekannt, wie viel Biomasse in jeder Gemeinde der Schweiz nachhaltig für Energie­zwecke zur Verfügung steht. Die WSL-Forschenden haben daher untersucht, welche Menge von jedem Biomassetyp regelmässig anfällt. Zudem verwendeten sie gesellschaftliche und politische Kennzahlen, etwa zu Beschäftigung und Einkommen in den Gemeinden oder zu Resultaten der Abstimmung über die Energiestrategie 2050. Die Kenntnis dieser Grössen kann helfen, die Chancen der Realisierung von Bioenergieprojekten zu beurteilen.

Hotspots im Mittelland und in den Städten

«Unsere Ergebnisse zeigen nun erstmals, in welchen Regionen die besten Chancen für die vermehrte Nutzung von Biomasse liegen», sagt Vanessa Burg von der WSL. Die Studie weist Hotspots aus, also Gegenden, in denen ein Biomassetyp oder mehrere in besonders grossem Umfang anfallen. Zum Beispiel gibt es Gebiete mit viel Waldholz, Hofdünger oder Klärschlamm. Die meisten Hotspots befinden sich im Mittelland, insbesondere in den Kantonen Zürich, Bern und Waadt. Hier sind einerseits viele landwirtschaftliche Betriebe ansässig, in denen grosse Mengen Hofdünger entstehen. Anderseits gehören auch Städte und Agglomerationen zu den Hotspots, denn hier fällt auf engem Raum viel Bioabfall und auch Klärschlamm an. In den alpinen Regionen hingegen liegen gemäss dieser Studie keine Biomasse-Hotspots. Dort bestehen zwar erhebliche Reserven, beispielsweise beim Waldholz. Dieses lässt sich jedoch nur mit hohen Kosten ernten und transportieren.

Die ermittelten Biomassepotenziale sind in einem Geografischen Informationssystem (GIS) gespeichert und sollen über das Internet zugänglich gemacht werden. «Für eine Gemeinde bietet sich so eine gute Entscheidungsgrundlage, ob sie aus Biomasse zusätzliche Energie gewinnen will oder nicht», sagt Vanessa Burg. (Reinhard Lässig, Diagonal 2/18)