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Glitzerndes Weiss auf grünen Fichten: Wie verschneite Wälder das Klima beeinflussen

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Immergrüne Nadelwälder absorbieren durch ihre dunkle Farbe viel Sonnenstrahlung. Dabei erwärmt sich die Erdatmosphäre. Liegt jedoch im Winter Schnee auf den Ästen oder am Waldboden, reflektiert dieser die Strahlung. Um Wetter und Klima korrekt modellieren zu können, müssen diese Schwankungen der Abstrahlung berücksichtigt werden. Doch wie gross die Variationen sind und wovon sie genau abhängen, war bisher nicht klar, da detaillierte Messdaten fehlen.

Um solche zu erhalten, haben Forschende der Gruppe Schneehydrologie des SLF eine Drohne mit Strahlungssensoren eingesetzt. Diese liessen sie an mehreren Tagen in den Wintern 2016/17 und 2017/18 über einen Fichtenwald nahe Davos fliegen. Der Sensor mass an einer Reihe unterschiedlicher Standorte, wie viel Prozent der einfallenden Sonnenstrahlung von unten reflektiert wurde. «So konnten wir vor allem die kleinräumigen Unterschiede sichtbar machen», sagt Gruppenleiter Tobias Jonas.

Dichte des Waldes spielt eine Rolle

Das Ergebnis: Besonders im dichten Wald erhöhte Schnee auf den Bäumen die Rückstrahlung stark – um bis zu dreissig Prozent. «Dass der Effekt so gross sein kann, war bisher nicht bekannt», sagt Jonas. Die umgekehrte Wirkung hatte der Schattenwurf der Bäume, vor allem im lichten Wald: Bei niedrigem Sonnenstand verdunkelten die Schatten viel schneebedeckten Waldboden, was die Rückstrahlung in diesem Fall um bis zu dreissig Prozent reduzierte.

«Diese Zusammenhänge sollten künftig in Modellrechnungen berücksichtigt werden, um den Einfluss von Schnee in Wäldern realistischer abzubilden», sagt Jonas. Deshalb werden er und sein Team weitere Messdaten sammeln, mit deren Hilfe sie hochaufgelöste Modelle zur Schneeschmelze sowie genauere Klimamodelle entwickeln. (Claudia Hoffmann, Diagonal 2/18)