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Satellitenbilder ermöglichen schnelle Übersicht über landesweite Sturmschäden im Wald

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Erinnern Sie sich an Burglind? Das Tiefdruckgebiet brachte uns am 2. und 3. Januar 2018 Sturmböen von bis zu 201 km/h und fällte oder knickte in der Schweiz zigtausend Bäume. Da der Bund etwa zwei Wochen nach einem grossen Windwurf­ereignis eine Übersicht über die vom Sturm gefällte Holzmenge verlangt, schwärmten landesweit Forstleute aus und schätzten alle betroffenen Waldstücke. Jeder Kanton meldete die aufsummierte Holzmenge dann dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). In der Schweiz lagen etwa 1,3 Millionen Kubikmeter Holz am Boden, ungefähr ein Viertel der mittleren Holznutzung eines Jahres – nur das Tessin war verschont worden.

Forschende der WSL fragten sich, ob die Analyse von Satellitenbildern nicht schneller und auch kostengünstiger einen ersten Überblick geben könnte. Darum besorgten sie sich zusammen mit Spezialisten der Remote Sensing Laboratories der Universität Zürich Bilder des Satellitenpaares Sentinel-1, die mit einem Radar-Sensor die Erdoberfläche abtasten. Anschliessend verglichen sie mithilfe einer Software Bilder, welche die Satelliten vor und nach dem Sturm aufgenommenen hatten. Die ersten Ergebnisse waren ernüchternd. «In einigen Gebieten wurden die Windwürfe realistisch abgebildet, in anderen jedoch nicht. Dies hat wohl in erster Linie mit der komplexen Topo­grafie der Schweiz zu tun», sagt Marius Rüetschi von der Gruppe Fern­erkundung der WSL. Ein weiteres Problem war der Schnee. Denn liegendes, von Schnee bedecktes Holz nahm die Software oft nicht als Sturmschaden wahr.

Es gelang den Fachleuten jedoch, die methodischen und technischen Unsicherheiten in den Griff zu bekommen. In Zusammenarbeit mit einigen Kantonen sahen sie sich nun Sturmflächen in natura an und verglichen Windwurfflächen mit der Auswertung der Satellitenbilder. Das Ergebnis: Grossflächig vom Sturm zerzauste Wälder erkannte das Computerprogramm auf dem Satellitenbild zwar treffsicher, kleinere umgeworfene Baumgruppen hingegen weniger. «Wir sind mit dieser Technologie auf einem vielversprechenden Weg», sagt Rüetschi, «auch wenn mehr Faktoren die Genauigkeit solcher Analysen beeinflussen als zunächst angenommen». Er blickt da­rum erwartungsvoll in die Zukunft: «Alles, was wir jetzt noch brauchen, ist ein weiterer Sturm», meint er mit einem Augenzwinkern. (Reinhard Lässig, Diagonal 2/18)