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Einzigartiges Umweltarchiv: Uralte Hölzer lagern in den Böden der Schweiz

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Im Mai 2013 machten Forscher der WSL im Zürcher Stadtteil Binz einen sensationellen Fund: Über 250 bis zu 14 000 Jahre alte Föhrenstrünke. Das uralte Holz lässt sie hoffen, die bestehende Chronologie der Jahrringe um rund 1500 Jahre bis zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 15 000 Jahren erweitern zu können – und so die Klimageschichte Mitteleuropas besser zu verstehen. Denn jeder Jahrring kann Informationen über Temperatur und Niederschlag zum Zeitpunkt seiner Entstehung enthalten. Der mit dem Binz-Holz arbeitende WSL-Doktorand Frederick Reinig beschreibt den Arbeitsfortschritt wie folgt: «So wie es aussieht, fehlen derzeit noch Daten, um die Chronologie endgültig zu komplettieren.»

Neue Holzfunde bitte melden

Die WSl-Forschenden suchen deshalb mehr Holz, das seit dem Ende der letzten Eiszeit im Boden lagern dürfte, konserviert unter meterdicken Erdschichten. «Jeder Baum zählt!», sagt Reinig, denn selbst kleine Holzfunde können Gold wert sein, wenn sie Lücken zwischen bestehenden Messungen schliessen. Wird altes Holz aus Baustellen oder Kiesgruben gemeldet, werden im Labor unter anderem dessen Jahrringbreiten gemessen; im besten Fall sogar jahrtausendealte DNA extrahiert. Die For­scher – sie arbeiten mit Forschungsinstituten in Potsdam, Freiburg i.Br. und Mannheim zusammen – sind für Mitteilungen neuer Funde äusserst dankbar. Dabei wird garantiert, dass sich der Baufortschritt nicht verzögert.

Erste Funde wurden bereits gemeldet: Zusammen mit Forstdiensten und Baufirmen konnten die Jahrringforscher 2015 in Celerina (GR), Engi (GL) und Aigle (VD) rund 150 Föhren, Fichten und Eichen bergen. 14C-Messungen im Labor für Ionenphysik an der ETH Zürich zeigen, dass die Proben bis zu 9000 Jahre alt sind. Ein paar ältere fehlen also noch. (Reinhard Lässig, Diagonal 1/16)