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Subfossiles Holz aus dem Zürcher Binz-Quartier

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Im Frühling 2013 haben Mitarbeiter der WSL im Zürcher Binz-Quartier, am Fuss des Üetliberges, in einer Baustelle 257 Föhrenstrünke gefunden. Diese sehen auf den ersten Blick wie alte Holzstrünke aus. Dabei stellen die Wurzelstöcke eine wissenschaftliche Sensation dar. Das Spektakuläre an diesem Holz ist nämlich dessen Alter: Die Föhren sind vor über 13 000 Jahren gewachsen, direkt nach dem Rückzug der grossen alpinen Gletscher.

Dieser umfangreiche und gut erhaltene Fund ist weltweit einer der ältesten seiner Art - und für spätglaziales Holz der Grösste. In den kommenden Jahren wird er den interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu wertvollen Einsichten in die klimatischen Bedingungen der Schweiz am Ende der letzten Eiszeit verhelfen.

 

Sonntagsspaziergang mit Folgen

Im Frühjahr 2013 ist Daniel Nievergelt, Jahrringforscher an der WSL, bei seinem Spaziergang auf einer Baustelle im Zürcher Binzquartier, am Fuss des Üetlibergs, zufällig auf einen Holzabfallberg gestossen.

Dass die Hoffnung auf einen spektakulären Fund nicht ungerechtfertigt war, wusste er aus der Zusammenarbeit mit seinem 2012 verstorbenen Arbeitskollegen Felix Kaiser: Dieser hatte schon 1999 beim Aushub des Uetliberg-Autobahntunnels subfossiles Holz gefunden.

Und tatsächlich: Im grauen Üetliberg-Lehm stiess er und seine Kollegen auf weitere Hölzer und Holzspuren. Dank intensiver Unterstützung der vor Ort tätigen Baufirma wurden in den folgenden Monaten 257 subfossile Strünke geborgen und an die WSL gebracht. So entstand die inzwischen weltweit grösste Sammlung spätglazialer Föhren. Heute wird sie unter konstanten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen in einem ehemaligen Bunker der Schweizer Armee archiviert.

 

Zürich am Ende der letzten Eiszeit

Vor ca. 13 000 Jahren ziehen sich die Alpinen  Gletscher immer noch zurück. Die arktische Steppe wandelt sich langsam zum temperierten Waldland. Während das Klima noch stark schwankt, siedeln sich bereits Zwergbirken, Sanddorn, Wachholder und eben auch die Kiefer wieder an.

Auf der Suche nach ihrem Bett mäandriert die junge Sihl durch das Gletschersediment und formt die Landschaft am Fusse des Uetlibergs. Entlang des Uetlibergs löst Schmelz- und Regenwasser starke Erdrutsche und Schlammlawinen aus.

Während mindestens 2000 Jahren werden am Hangfuss immer wieder Kiefern vom Schlamm überdeckt und sterben ab. Stämme und Äste zerfallen, aber die im Lehm konservierten Strünke können die nächsten 13 000 Jahre überstehen.

 

Wird der Fund in Zürich-Binz die Daten-Lücke überbrücken?

Die mitteleuropäische absolut datierte Jahrring-Chronologie (blau) basierend auf Eichen und Föhren endet rund 12 500 Jahre vor heute. Mit dem neuen Fund in Zürich hoffen Forschende, sie um weitere rund 1500 Jahre ins Spätglazial zu verlängern.

 

Multidisziplinäre und internationale Zusammenarbeit rund um den Binz-Fund

Um Umwelt- und Klimabedinungen am Übergang von der letzten Eiszeit ins Holozän besser zu verstehen, werden unterschiedliche Parameter am Binz-Holz untersucht: Jahrringbreite, Holzdichte und -anatomie, stabile Isotope, alte DNA.

In diesem Projekt arbeiten wir eng mit Partnern der ETH Zurich, des GeoForschungsZentrums Potstdam, des Hochbaudepartements der Stadt Zürich, der Universität Freiburg i. Br. und des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie in Mannheim zusammen.