Waldbrandfolgen

Ein Waldbrand vernichtet Tiere und Pflanzen; Siedlungen und Verkehrswege sind nach einem Brand erhöhter Erosions- und Steinschlaggefahr ausgesetzt. Aber: Die Arten kehren bald zurück und ihre Vielfalt übertrifft schon nach wenigen Jahren jene des früheren Waldes.

Waldbrände verändern die Lebensbedingungen und begünstigen die Ansiedlung vieler Arten. So bietet nach einem Brand die vorübergehend lichtere Waldstruktur, der vegetationslose Boden sowie das kurzfristig reiche Nährstoffangebot der Asche gute Lebensbedingungen für viele Pflanzen, von denen wiederum Tiere, insbesondere Insekten und Spinnen, profitieren. Wir erforschen die Dynamik der Wiederbesiedlung und Waldverjüngung nach Waldbränden, damit die Erkenntnisse in die waldbauliche Praxis sowie in den Naturschutz einfliessen können.

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Grosse Bestände von Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium) zwei Jahre nach dem Waldbrand. (Foto: B. Moser)
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Mit fortschreitendem Alter der Brandfläche in Leuk breiten sich Gräser aus. (Bild: Thomas Wohlgemuth/WSL)
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Zitterpappeln verjüngen sich erstaunlich rasch: Eine über fünf Meter hohes Exemplar neben einem 2003 verbrannten Baum in Leuk. (Bild: Reinhard Lässig/WSL)

Waldbrandfläche in Leuk (2003)

Am 13. August 2003 brannten in der Nähe von Leuk über 300 Hektaren Wald mit etwa 200'000 Bäumen ab, mit einem Sachschaden von insgesamt 7.6 Millionen Franken. Bereits kurze Zeit nach dem Brand entfaltete sich eine eindrückliche Artenvielfalt. In den darauffolgenden 20 Jahren haben wir erforscht, wie Pflanzen-, Pilz- und Arthropodenarten die Waldbrandfläche wiederbesiedelten.

Ergebnisse:

Wuchsen zunächst zahlreiche Krautpflanzen, begannen darauf in den unteren Lagen eine Gräser zu dominieren. Pionierbäume wie Pappel, Weide und Birke breiteten sich rasch aus. Noch 10 Jahren nach dem Extremereignis war die Artenvielfalt noch deutlich grösser als im benachbarten Nadelmischwald. So kamen auf der Brandfläche neunmal mehr vom Aussterben bedrohte Insektenarten vor als im benachbarten Wald, etwa Wildbienen, Heuschrecken und wichtige Totholzbesiedler wie Bockkäfer.

Unter den seltenen Pflanzen fällt vor allem der im Wallis sehr seltene Erdbeerspinat (Blitum virgatum) auf, der zwei Jahre nach dem Waldbrand massenhaft auftrat. Seine Samen haben Jahrzehnte im Boden überdauert. Auf einer Waldbrandfläche herrschen grossflächig völlig andere Wuchsbedingungen als in einem geschlossenen Wald. Für viele seltene Arten entsteht so vorübergehend ein geeignetes, oft riesiges Habitat. Andere Arten können von den ersten Ankömmlingen profitieren – eine äusserst faszinierende Nahrungspyramide baut sich auf und verschwindet allmählich mit der Verwaldung. So gesehen ist ein Waldbrand eine Bereicherung für die Natur. Für Siedlungen und Verkehrswege hingegen stellt der fehlende Schutz vor Naturgefahren über längere Zeit ein Risiko dar.

Schutzfunktion:

Nach 10 Jahren kam fast überall Buschwald auf, wenn auch in den untersten, sehr trockenen Lagen später und lückier als in den höheren Lagen. In den untersten Lagen gesellen sich Flaumeichen zum Buschwald, die ursprünglich zahlreichen Waldföhren können die vom Waldrand weit entfernten Orte mit ihren Samen nicht erreichen. Hier stellen wir einen Baumartenwandel fest. In höheren Lagen werden Fichten und Lärchen in den nächsten Jahrzehnten den Buschwald durchwachsen. Auf einen Wald, wie er einst mal war, muss noch lange gewartet werden.

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