WildinSync: mit Umwelt-DNA die Biodiversität in Bhutan überwachen

Bhutan versucht, sein Naturerbe zu schützen, während es seine Infrastruktur ausbaut. Dazu betreibt es ein landesweites Biodiversitäts-Monitoring, das Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der ETH Zürich unterstützen. Im Rahmen der WildinSync Initiative verwenden sie Umwelt-DNA (eDNA), um Biodiversität zu erfassen und ein Langzeit-Überwachungssystem zu etablieren.

  • WildinSync ist eine Initiative zur Unterstützung von globalen Biodiversitätsmonitorings mit Umwelt-DNA.
  • In Bhutan ermöglicht die Initiative die erste landesweite Erfassung von Biodiversität. 
  • Die gesammelten Daten unterstützen die Behörden dabei, zu beurteilen, wie Infrastruktur und veränderte Landnutzung das Ökosystem beeinflussen.

Bhutan ist bekannt für sein Konzept des Bruttonationalglücks, das den Umweltschutz gleichberechtigt neben die wirtschaftliche und soziale Entwicklung stellt. Infolgedessen bedecken Wälder rund 70 % des Landes, und mehr als die Hälfte des Staatsgebiets steht unter Schutz. 

Das Land beherbergt unzählige gefährdete Arten, aber das Überwachen von Wildtieren gestaltet sich schwierig. Grosse Teile der himalayischen Landschaft sind nur schwer zugänglich, weswegen eine systematische Erfassung der Biodiversität kostspielig ist. Zwar zeigen jüngste Untersuchungen einen Anstieg der Schneeleopardenpopulation, es ist aber unklar, ob die Entwicklung bei weniger symbolträchtigen Arten ähnlich verläuft. Dies unterstreicht, dass es effiziente und weitreichende Methoden zum Monitoring der Biodiversität braucht.

Parallel dazu baut Bhutan seine Infrastruktur aus. Wasserkraftprojekte und die geplante «Mindfulness City», ein Technologiezentrum an der Südgrenze, erhöhen den Druck auf Ökosysteme und werfen Fragen dazu auf, wie diese Entwicklung sich langfristig auf die Biodiversität auswirkt.

Umwelt-DNA zur Überwachung von Veränderungen

Die Initiative WildinSync geht diese Herausforderungen an. Sie befindet sich unter der Leitung von Loïc Pellissier, gemeinsamer Professor an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der ETH Zürich. Mit der Mitarbeit von Doktorand Karma Sherub unterstützt er die Überwachung der Biodiversität in Bhutan.

Die Initiative fördert eine kosteneffiziente Überwachung der Biodiversität durch die Kombination von eDNA, Fernerkundung und künstlicher Intelligenz. Dank gemeinnütziger Finanzierung stellt WildinSync seinen Partnern kostenlose eDNA-Probenahmekits und feldtaugliche Ausrüstung zur Verfügung, die im eDNA-Labor der WSL zusammengestellt werden.

eDNA ist genetisches Material, das Organismen auf natürliche Weise an ihre Umgebung abgeben, beispielsweise über Hautzellen, Speichel oder Exkremente. Der Regen spült diese genetischen Spuren in Flüsse und Bäche, wo sie durch Filtern von Wasserproben gesammelt werden können. Mit DNA-Analysen können Forschende feststellen, welche Tierarten sich in einem Gebiet aufhalten, ohne sie direkt beobachten oder fangen zu müssen.

«Traditionellerweise basiert Monitoring auf der Arbeit von Experten, die Arten vor Ort identifizieren oder Kamerafallen aufstellen, was beides sehr kostspielig und arbeitsintensiv ist», sagt Loïc Pellissier. «In Bhutans anspruchsvollem Gelände ermöglicht uns eDNA, Wasserproben am unteren Ende eines Flussgebietes zu entnehmen und Säugetierarten zu identifizieren, die stromaufwärts leben.»

WildinSync in Bhutan

In Bhutan arbeitet WildinSync mit der Regierung und der non-profit Organisation WWF zusammen, um mit Hilfe von eDNA die erste landesweite Biodiversitätskarte zu erstellen. Rund 200 Probeentnahmestellen in Flussgebieten werden eine Basis etablieren, die im Laufe der Zeit erweitert werden kann. Die Proben werden vor Ort im ersten eDNA-Labor des Landes verarbeitet, das seit Frühjahr 2025 in Betrieb ist und von WildinSync mitbegründet wurde. 

Dieser Überblick trägt zu einem besseren Verständnis darüber bei, wie Ökosysteme auf den Klimawandel und eine veränderte Landnutzung, nicht zuletzt auch auf Grossprojekte wie die Mindfulness City, reagieren. 

Am 9. Februar 2026 leitete WildinSync einen Workshop am College of Natural Resources in Bhutan. Gemeinsam mit lokalen Behörden und Vertretern des Mindfulness City-Projekts definierten Forschende Monitoringstrategien und schulten Ranger in der Entnahme von eDNA-Proben. Die gewonnenen Daten können in lokale Planungsentscheidungen und zukünftige Stadtentwicklungsprojekte einfließen, die mit ähnlichen Herausforderungen im Bereich der Biodiversität konfrontiert sind.

WildinSync: Von nationalem Monitoring zum globalen Vergleich

WildinSync hat Partner in 30 Ländern, die alle denselben Ansatz zum Monitoring in unterschiedlichen Landschaften verwenden. Standardisierte open-source Methoden ermöglichen es, die Biodiversität über verschiedene Regionen und Zeiträume hinweg zu vergleichen.


Die von Mitwirkenden erhobenen Daten werden auf der WildinSync-Webseite veröffentlicht, die auf der Datenplattform Envidat gehostet wird. «Die Plattform fasst die Daten zusammen, um die lokalen Behörden im Naturschutz und bei Entscheidungen zur Landnutzung zu unterstützen», sagt Pellissier.


Biodiversitätsverlust ist eine globale Herausforderung. Das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework fordert den Schutz von 30% der marinen und terrestrischen Ökosystemen bis 2030. «Diese Ziele können nur erreicht werden, wenn wir zuverlässige standardisierte Methoden anwenden, um die Wirksamkeit von Schutzmassnahmen zu überprüfen», sagt Loïc Pellissier.


Durch die Kombination von Forschung, offenen zugängliche Daten und praktischer Zusammenarbeit mit Fachleuten trägt WildinSync dazu bei, globale Biodiversitätsziele in die Tat umzusetzen. Bis 2030 plant WildinSync, die Einrichtung von 20 eDNA-Labors weltweit zu unterstützen. In Bhutan kommt diese Unterstützung zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da die heute getroffenen Entscheidungen zur Landnutzung die Ökosysteme für die kommenden Jahrzehnte entscheidend prägen werden.

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