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Partizipatives GIS als Planungsinstrument für Windenergieprojekte in der Schweiz

 

Die Standortwahl von Windkraftanlagen ist häufig sehr umstritten. Physikalische, wirtschaftliche und rechtliche Kriterien bei der Standortwahl mögen eine technische Umsetzung theoretisch gewährleisten. Die praktische Umsetzung scheitert jedoch oft daran, dass lebensräumliche Aspekte (wie der wahrgenommene Nutzen und die Bedeutung der Landschaft) zu wenig stark berücksichtigt werden.

Das von COST-finanzierte Forschungsprojekt Partizipatives GIS als Planungsinstrument für Windenergieprojekte in der Schweiz der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und des Geographischen Instituts der Universität Zürich setzt sich mit diesen räumlichen Entscheidungsprozessen auseinander.

Ziel ist es herauszufinden, inwiefern und mit welchem Mehrwert die Bevölkerung bereits zu einem frühen Zeitpunkt in den Planungsprozess und insbesondere in die räumliche Standortwahl miteinbezogen werden kann. Im Vordergrund steht dabei die Entwicklung, Anwendung und Evaluation eines Planungsinstruments, mit welchem die örtlichen oder lebensräumlichen Bedürfnisse der Bevölkerung systematisch erfasst und für den partizipativen Planungskontext aufbereitet, entsprechend visualisiert und kommuniziert werden können.

Zum Einsatz kommt dabei vorrangig ein Partizipatives GIS (Geographisches Informationssystem). Besonders in der Entwicklungszusammenarbeit und häufig datenarmen Kontext, findet diese Methode grossen Anklang. Sie wird jedoch auch zunehmend in der Raum- und Umweltplanung eingesetzt, da sie hohe partizipative und somit mehrheitsfähigere räumliche und gesellschaftsrelevante Entscheidungen ermöglicht.

Aus diesem Kontext ergeben sich die folgenden übergeordneten Fragestellungen, welchen in diesem Forschungsprojekt nachgegangen werden:

  • Wie werden die partizipativen Planungsverfahren von Windenergieanlagen in der Schweiz durchgeführt?
  • Was ist der Mehrwert der Anwendung eines Partizipativen GIS innerhalb eines partizipativen Planungsverfahrens von Windenergieprojekten?
  • Wie soll das partizipative Planungsverfahren und dabei insbesondere die Anwendung des Partizipativen GIS gestaltet werden?

Die Umsetzung dieses Forschungsprojekts ist in vier Teilschritte untergliedert. Der erste Teilschritt umfasst ein explorativ-qualitatives Vorgehen, in dem die partizipativen Planungsverfahren von drei Windenergieprojekten in unterschiedlichen Landschaftstypen (alpine und vor-alpine Landschaft sowie Hügellandschaft des Mittellandes) analysiert werden.

Basierend auf diesen Forschungsresultaten erfolgt die Konzipierung eines Partizipativen GIS, welches begleitend zu einem Partizipativen Planungsverfahren angewandt und getestet wird (zweiter Teilschritt). Ein Partizipatives GIS ermöglicht es sozialräumliche Informationen systematisch zu erheben. Zudem können die erfassten lebensräumlichen Informationen mit technischen Informationen auf räumlicher Ebene verknüpft werden.

Eine entsprechende Visualisierung (2D bis 3D) dieser räumlichen Informationen soll einerseits dazu beitragen, gesellschaftsfähigere Standortentscheide zu ermöglichen. Andererseits soll damit gezielt sozial-räumliches Lernen gefördert werden. Reibungspunkte aber auch mögliche Konsensmöglichkeiten von Befürwortern und von Gegnern können aufgezeigt werden. Zudem können somit interessierte Personen aus der Bevölkerung am Planungsprozess direkt teilhaben, bei zukünftigen räumlichen Standortentscheiden mitdiskutieren und diese besser nachvollziehen.

Die geschilderte Methode wird nur bei einem Windenergieprojekt (Hügellandschaft des Mittellandes) getestet. Zur Vorbereitung erfolgt eine quantitative Erhebung im Format einer Umfrage (dritter Teilschritt). Diese soll sowohl online wie auch offline durchgeführt werden. Die lokale bis regionale Bevölkerung soll dabei über die Nutzung und die wahrgenommene Bedeutung der entsprechenden Landschaft Auskunft geben. Auch sollen die befragten Personen konkret ihre Standortpräferenzen mitteilen.

Die definitive Konzipierung oder Gestaltung, Vorbereitung (wie Information, quantitative Erhebung) und Anwendung des Partizipativen GIS (vierter Teilschritt) wird dabei in enger Zusammenarbeit mit der entsprechenden Gemeinde erfolgen, um den lokalen Kontext bei der Durchführung angemessen zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts sind von empfehlender Natur und stellen keine rechtlich-bindenden Entscheidungsgrundlagen innerhalb der üblichen Planungsverfahren der Schweiz dar.