Biologische Vielfalt ermöglicht nachhaltige Holzproduktion

Zwei zentrale Ziele der Forstwirtschaft sind Holzproduktion und biologische Vielfalt. Wie beides unter einen Hut passt, ist Thema des WaldDialogs 2026 am 10. September in Basel. Ein paar Fragen an den Leiter des SwissForestLab, Arthur Gessler.

  • Je diverser der Wald, desto grösser ist die Chance, dass er mit sich verändernden Umweltbedingungen zurechtzukommt.
  • Diverse Wälder halten beispielsweise Wasserknappheit besser aus.
  • Am WaldDialog 2026 tauschen Wissenschaft, Politik und Praxis ihr Wissen aus und lernen voneinander.

Herr Gessler, was verstehen Sie unter nachhaltiger Holzproduktion?

Eine Holzproduktion ist nachhaltig, wenn sie sich aktiv mit den Unsicherheiten der Zukunft befasst, mögliche Risiken ein Stück weit eindämmt und dann Bedingungen schafft, unter denen trotzdem noch Holz aus Wäldern entnommen werden kann. Früher war die Planungssicherheit im Wald grösser als heute. Forstleute konnten ihre Wachstumstabellen einsehen und wussten so, wie sich ihr Bestand im Laufe der Zeit entwickelte. Das ist vorbei: Durch den Klimawandel lässt sich die Entwicklung des Waldes immer schwerer vorhersehen. Um stabile Nutzwälder zu bewirtschaften, braucht die Forstwirtschaft neue Ansätze.

Ist die Biodiversität ein Schlüssel dazu?

Genau, Biodiversität zu fördern ist einer der Wege, um mit Unsicherheiten umzugehen. Ein Mehr an Biodiversität dient als eine Art Absicherung. Wenn wir im Wald verschiedene Baumarten haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige davon mit sich verändernden Umweltbedingungen zurechtkommen, sehr viel höher, als wenn wir nur wenige Arten oder sogar eine Monokultur haben. Forstbetriebe können Biodiversität zum Beispiel fördern, indem sie an manchen Standorten stärker eingreifen, damit Baumarten, die Licht benötigen, und solche, die Schatten ertragen, koexistieren können. Sie pflanzen heute zudem vermehrt Baumarten, von denen man annimmt, dass sie mit den künftigen Bedingungen am jeweiligen Standort gut umgehen können. 

Wie macht erhöhte Biodiversität den Wald widerstandsfähiger?

Im Augenblick ist unser Wald zunehmend Trockenheit und Hitze ausgesetzt. Wir wissen, dass ein artenreicher Wald deutlich besser mit Wasserknappheit umgehen kann. Denn verschiedene Arten bilden unterschiedlich tiefe Wurzeln aus. Auf diese Weise nehmen die Bäume das im Boden vorhandene Wasser eindeutig effizienter auf, als wenn alle in derselben Bodenschicht wurzeln. Die tiefwurzelnde Eiche etwa transportiert Wasser aus tieferen Bodenschichten nach oben. Einen Teil davon nimmt sie selbst auf, einen anderen gibt sie an den trockenen Oberboden ab. Dieses Wasser können dann Bäume mit flacheren Wurzeln mitnutzen, die sonst unter Trockenstress geraten würden.

Was erhofft ihr euch vom WaldDialog in Basel? 

Wissenschaft, Praxis und Politik treffen sich auf Augenhöhe und bekommen die Gelegenheit, gegenseitig Wissenslücken zu schliessen. Ziel ist es, dass alle voneinander lernen. Die Wissenschaft kann zwar allgemeine Prinzipien zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung formulieren, aber sie kann nicht garantieren, dass diese an jedem beliebigen Standort gleichermaßen gut funktionieren. Hier können wir Forschenden von den Försterinnen und Förstern lernen. Umgekehrt können wir Letztere unterstützen, wenn ihr Erfahrungswissen nicht mehr ausreicht, weil sich die Umweltbedingungen ändern. Wir haben Modelle und Methoden wie die Tree App (tree-app.ch), mit der für verschiedenste Standorte zukunftsfähige Baumarten ausgewählt werden können.

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