Der Schweizer Wald braucht Nachwuchsförderung

  • In vielen Schweizer Wäldern gibt es zu wenig Jungbäume – oder es wachsen nicht jene Arten nach, die für eine Zukunft mit wärmerem und trockenerem Klima geeignet sind. 
  • In Wäldern auf der Alpennordseite wachsen viele Laubbaumarten nach. In den Zentralalpen, wo Nadelhölzer dominieren, und auf der Alpensüdseite ist die Verjüngung deutlich geringer.
  • Die WSL-Forschung zeigt Möglichkeiten auf, wie Wälder an den fortschreitenden Klimawandel angepasst werden können. 

In den Wäldern der Schweiz vermehren sich die Bäume grösstenteils von selbst über Samen. Diese Naturverjüngung ist ein Leitsatz der Waldwirtschaft, demzufolge die Bäume dadurch stets an ihre Umwelt angepasst sind. Die Schäden in den letzten 25 Jahren durch Winterstürme, Trockenheit und Borkenkäfer zeigen aber einerseits, wie anfällig unsere Wälder für Extremereignisse sind. Gemäss Klimaszenarien werden diese in den kommenden Jahrzehnten häufiger.

Andererseits bieten die durch sie entstandenen Lücken eine Chance für die natürliche Anpassung der Wälder. Das zeigt das von der WSL durchführte Landesforstinventar LFI: Auf der Alpennordseite nahm die Anzahl der Jungbäume pro Hektar nach den Winterstürmen Vivian und Lothar deutlich zu. Aber in den Zentralalpen sank die Zahl der nachwachsenden Bäume – einerseits, weil es Jungbäumen in überalterten Wäldern an Licht mangelt, zum anderen, weil es in manchen Regionen viele wilde Huftiere gibt, die Bäume schädigen. 

Wald im Umbau 

Auch Wälder in tiefen Lagen und im Gebirge unterscheiden sich stark. Im Tiefland dezimieren Trockenheit und Borkenkäfer die wirtschaftlich wichtige Fichte, während klimafitte Baumarten noch nicht überall vorhanden sind. In den Bergen, wo der Wald vor Naturgefahren schützen muss, senken zu alte Bestände die Schutzwirkung auf lange Sicht. 

Junge Bäume von klimafitten Arten zu fördern, ist somit eine zentrale Aufgabe für Forstleute. Deshalb führt die WSL diverse Forschungsprojekte dazu durch, deren Erkenntnisse sie nun in einer Sondernummer der Schweizerischen Zeitschrift für das Forstwesen (SZF) vorstellt. Die Forschenden prüfen und aktualisieren hier die Empfehlungen, die 2016 aus dem Forschungsprogramm «Wald im Klimawandel» hervorgingen. Denn nicht nur die Belastungen des Waldes, sondern auch die Ansprüche an ihn haben seither zugenommen, etwa Kohlenstoff zu speichern und die Artenvielfalt zu fördern.

Die Artikel in der SFZ-Sondernummer stellen diese und weitere Resultate der WSL-Forschung ausführlich dar (nur für AbonnentInnen, nach 6 Monaten frei): 

  • Fachleute für den Gebirgswald (www.gebirgswald.ch) stellen einen Fragenkatalog vor, der dabei hilft, Prioritäten bei der Bewirtschaftung von Schutzwäldern zu setzen. (Zürcher u.a.)
  • Daten des Landesforstinventars LFI zeigen, dass in tiefen Lagen dank der Lücken, die Stürme und Borkenkäfer geschlagen haben, viele junge Buchen nachwachsen konnten. In hohen Lagen mangelt es dagegen oft an Jungwald. (Wohlgemuth u.a.)
  • Für das langfristig angelegte WSL-Projekt Gebirgswaldverjüngung wurden seit 2020 auf zehn Versuchsflächen in dunklen Bergwäldern unterschiedlich viele Bäume gefällt, um zu sehen, wie Jungbäume nach waldbaulichen Eingriffen nachwachsen. (Nikolova u.a.)
  • Zwischen 2020 und 2023 legten WSL-Mitarbeitende schweizweit 56 Testpflanzungen mit insgesamt 55'000 Jungbäumen an. Erste Erkenntnisse zeigen, dass schon heute solche Baumarten in höheren Lagen anwachsen können, die dort in Zukunft bei höheren Temperaturen genau hinpassen werden. (Schwarz & Streit)
  • Seit 2021 testen Forschende auf drei Versuchsflächen Jungbäume von sechs Baumarten in Folientunneln bei künstlich erhöhten Temperaturen. Nach vier Jahren zeigt sich, dass auf tiefen Böden alle geprüften Baumarten gut wachsen, aber auf flachen, zur Austrocknung neigenden Böden die aus Nordamerika stammende Douglasie am besten gedeiht. (Moser u.a.)
  • Anhand von alten Anbauexperimenten lassen sich Veränderungen ebenfalls gut beobachten. Die WSL sammelt solche Erkenntnisse im «Dokutool Zukunftsbaumarten». (Glatthorn u.a.)

Kontakt: 

Barbara Moser, Tom Wohlgemuth und Petia Nikolova haben die Sondernummer betreut und stehen für Medienanfragen zur Verfügung. 

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