04.03.2026 | Stephanie Kusma | WSL News
Naherholungsgebiete helfen gegen Stress. Wie Auge und Ohr dabei zusammenwirken, und wie man das ausnützen kann, um die Attraktivität solcher Grünräume zu erhöhen, zeigen Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in zwei neuen Publikationen auf.
- Das Zusammenspiel von Geräuschen und Seheindrücken bestimmt, als wie erholsam wir Grünräume empfinden
- Gestalterische Massnahmen können Lärmbelastung kompensieren: Bäume, Wasserelemente, Geländemodellierung erhöhen die wahrgenommene Landschaftsqualität
- «Positive» Geräusche wie Vogelgezwitscher oder Wasserplätschern steigern die Erholsamkeit – selbst wenn sie zu Verkehrslärm hinzukommen
Viele dürften das kennen: Der hektische Alltag verursacht Stress, ein Spaziergang im Freien mindert ihn. Das belegt auch die Forschung: Attraktive, gut erreichbare Naherholungsgebiete sind zentral für das Wohlbefinden. Aber wie beeinflusst die Geräuschkulisse die Erholsamkeit? Und was bewirken bestimmte Landschaftselemente, etwa Bäume oder Sitzbänke? Das hat WSL-Umweltpsychologin Nicole Bauer in mehreren Projekten untersucht. Ihre Erkenntnis: Auge und Ohr wirken zusammen.
«Das kann man ausnutzen», sagt Bauer. Verkehrslärm beispielsweise wirkt störend, lässt sich aber oft nicht ausreichend reduzieren. Bäume dagegen lassen einen Ort erholsamer wirken. «Ist ein kleiner Park von lauten Strassen umgeben, kann man das wahrscheinlich nicht ändern», erklärt sie. «Aber man kann Bäume hineinpflanzen.» Das erhöhe die wahrgenommene Landschaftsqualität – und die Grünfläche werde dadurch trotz gleichbleibenden Lärms als erholsamer wahrgenommen.
Eine andere Möglichkeit: «Man kann unangenehme Geräusche auch mit positiv belegten übertönen, zum Beispiel mit Wasserplätschern», sagt Bauer. «Deshalb kann beispielsweise auch ein Brunnen die Erholsamkeit verbessern.» Der gesamte Lärmpegel sei dann zwar gleich oder sogar höher, aber in den Untersuchungen spielte dieser keine Rolle. «Möglicherweise lag das aber auch daran, dass wir keine extrem lauten Naherholungsgebiete fanden», schränkt Bauer ein.
Vogelgezwitscher in der Agglo ¶
Die Untersuchungen fanden in der Agglomeration, dem Raum zwischen Stadt und Land statt, der unter anderem von Pendlergemeinden geprägt ist. Dort sind Strassen dominant, die die Menschen zu den Arbeitsplätzen bringen, was Lärm verursacht. Gleichzeitig spielte die Landwirtschaft weiterhin eine grosse Rolle, und dies auch für die Naherholung, wie Bauer und ihre Kolleginnen und Kollegen herausfanden. «Auch hier gibt es Möglichkeiten, die Erholsamkeit dieser Gebiete noch zu steigern», erklärt die Forscherin, «beispielsweise mit Sitzbänken oder Strukturen, die Vögel anlocken.» Denn deren Zwitschern lasse eine Landschaft ebenfalls erholsamer wirken.
Insgesamt hatten die Forschenden in Naherholungsgebieten von zehn Gemeinden, darunter Malters (LU), Rümlang (ZH) und Villar-sur-Glane (FR) gut 300 Personen direkt vor Ort befragt. Diese gaben unter anderem an, wie gut ihnen die Vegetation um sie herum gefiel, wie oft sie das Naherholungsgebiet besuchten und wie sie die Geräuschkulisse dort empfanden. Die Ergebnisse der Befragung diskutierten die Forschenden dann mit externen und BAFU-Fachpersonen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus diesem Prozess – und ganz praktische Tipps zu seiner Anwendung – hat Bauer nun gemeinsam mit Kolleginnen in zwei WSL-Publikationen zusammengefasst.
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