Mehr Biodiversität durch das Wiederherstellen von Feuchtwäldern

Feuchte und nasse Wälder sind besonders wertvoll für die Biodiversität und wirken den Auswirkungen des Klimawandels entgegen. Doch viele dieser Wälder in der Schweiz sind in den letzten Jahrhunderten trockengelegt worden. In einem neu erschienenen Leitfaden legen Forschende der Eawag, der WSL und der ETH zusammen mit Fachpersonen aus der Praxis dar, welche positiven Effekte feuchte Wälder haben und welche Massnahmen zu deren Wiederherstellung nötig sind.

In den letzten Jahrhunderten hat der Mensch stark in die Natur eingegriffen. So wurden Feuchtwälder – also Auen-, Sumpf-, und Moorwälder – systematisch zu Gunsten von Forst- und Landwirtschaft entwässert oder gerodet. Diese Wälder bieten jedoch einzigartige Lebensräume für eine Vielfalt an Lebewesen. Diese Vielfalt soll im Rahmen der Biodiversitätsstrategie der Schweiz wieder gefördert werden: Durch Erhalt, Aufwertung und Wiederherstellung von wertvollen Lebensräumen. Feuchtwälder stehen dabei im Zentrum der Bemühungen. «Feuchte Wälder und deren Gewässer werden oft innerhalb kurzer Zeit von Amphibien, Insekten und weiteren Arten als Lebensraum entdeckt und angenommen», erklärt Karen Bussmann-Charran, Forscherin der Abteilung Aquatische Ökologie am Wasserforschungsinstitut Eawag und Mitglied des Synthesezentrums Biodiversität, einer gemeinsamen Initiative der Eawag, der WSL und der ETH Zürich. Durch die Wiederherstellung dieser Lebensräume werde ausserdem beispielsweise auch Torfmoos gefördert, welches grosse Mengen an CO2 speichern kann. Aber auch viele andere Lebewesen profitieren: so können etwa 84% aller Arten der Schweiz in Auen gefunden werden; sie sind also für einen Grossteil der heimischen Biodiversität besonders wertvoll.

Doch wie lassen sich diese Wälder wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen? Um Fachpersonen aus der Praxis bei Projekten zur Wiederherstellung dieser feuchten Wälder etwas an die Hand zu geben, hat das Synthesezentrum Biodiversität eine Arbeitsgruppe mit Fachpersonen aus Forschung und Praxis zu diesem Thema gebildet. Sie hatte das Ziel, offene Fragen zum Thema zu identifizieren und möglichst anwenderfreundlich zu beantworten.

Kleine bauliche Massnahmen genügen

Im daraus entstandenen Leitfaden beschreiben die Autorinnen und Autoren verschiedene, mögliche Vorgehensweisen. Da sich nasse Wälder meist in Gebieten entlang von Ufern, Mooren und ehemaligen Überschwemmungsbereichen befanden, können beispielsweise simple bauliche Massnahmen den Wasserhaushalt wieder herstellen. Das Auffüllen von Entwässerungsgräben, das Entfernen von Sickerleitungen oder die Renaturierung von Bächen und Flüssen sind nur einige der Möglichkeiten. Projektleitende können aber auch einen natürlichen und sogar günstigeren Helfer engagieren: den Biber. Bei Gewässern, die von den fleissigen Bauherren besiedelt werden, entwickeln sich feuchte und nasse Waldstandorte wie von selbst und verwandeln die Umgebung in einen Hotspot für die Biodiversität.

Die Wiederherstellung ehemaliger Feuchtwälder ist aber nicht nur förderlich für die Biodiversität, sondern bietet auch zahlreiche Vorteile für Mensch und Tier im Kontext des fortschreitenden Klimawandels. Der Grundwasserspiegel wird angehoben und fördert so die Resilienz der Wälder gegen Trockenheit und Dürre. So wird Wasser in der Landschaft gespeichert und bietet kühle Rückzugsorte für viele Lebewesen. «Dazu gehört auch der Mensch», so Bussmann-Charran. Die tiefere Bodentemperatur und der entsprechende Kühlungseffekt beschränken sich dabei nicht nur auf das Waldgebiet, sondern wirke sich auch auf angrenzende Siedlungsgebiete aus. Die Wasserrückhalt trägt zudem zum Hochwasserschutz bei.

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Feuchte Wälder gibt es in verschiedenen Formen – beispielsweise als Auen- oder Moorwälder oder als Quell-Lebensräume. Der neue Leitfaden geht auf mögliche Massnahmen zur Wiederherstellung dieser unterschiedlichen Waldarten ein. Fotos: Christoph Vorburger, Eawag / ETH Zürich
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Die Wiederherstellung feuchter Wälder fördert die Biodiversität und birgt Vorteile für Mensch und Tier. Foto: Christoph Vorburger, Eawag

Bedenken ernst nehmen

Ganz ohne Herausforderungen ist die Wiederherstellung dieser Gebiete allerdings nicht. «Methodisch gesehen ist es teilweise herausfordernd, alle Entwässerungsgräben zu finden und nachhaltig wirkungslos zu machen – hier gibt unser Leitfaden Anleitung und Hinweise zu Ressourcen, die die Planung und Umsetzung effizienter machen können», erklärt Bussmann-Charran. Ebenfalls benötigt es oft etwas Überzeugungsarbeit, um Bedenken der Waldeigentümer aus dem Weg zu räumen, denn ein nasser Wald kann weniger produktiv und schwieriger zu bewirtschaften sein. Doch, so die Gewässerökologin: «Gemäss Erfahrungen von Profis im Feld sind sie nach der Umsetzung der Massnahmen oft stolz und glücklich über die entstandene Schönheit und wahrnehmbare Artenvielfalt.»

Leitfaden «Biodiversität fördern durch das Wiederherstellen feuchter und nasser Wälder»

Der Leitfaden «Biodiversität fördern durch das Wiederherstellen feuchter und nasser Wälder» ist in den Sprachen Deutsch und Französisch erhältlich. Die Inhalte reichen von einer Zusammenstellung der Argumente für die Wiederherstellung von Feuchtwäldern über methodische Fragen zur Wiederherstellung der verschiedenen Kategorien von Feuchtwäldern (z.B: Auenwälder, Moorwälder) und natürlichen Helfern wie dem Biber bis hin zu Aspekten der Rechtslage und Projektplanung. Der Leitfaden soll Fachpersonen und Waldbesitzende bei der Konzipierung, Planung und Umsetzung von Projekten zur Wiederherstellung feuchter und nasser Wälder unterstützen und damit einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und weiterer positiver Aspekte solcher Lebensräume leisten. 

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