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Die Schweiz reagiert empfindlich auf den Klimawandel

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07.11.2016  |  News

 

Verglichen mit dem globalen Mittel ist die Erwärmung im Alpenraum fast doppelt so stark. Entsprechend gross sind die Folgen und der Handlungsbedarf. Ein Gremium von 75 Klimaforschenden und 40 Gutachtern legt mit dem Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz» den aktuellen Stand des Wissens umfassend dar und zeigt auf, wie die Gesellschaft konkret handeln könnte. Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) trugen mehrere Kapitel zum Bericht bei.

 

Die Jahresmitteltemperaturen sind in der Schweiz seit 1850 um 1,8 °C gestiegen. Der Anstieg im Alpenraum liegt damit rund zweimal so hoch wie im globalen Mittel. Um das globale 2°C-Ziel zu erreichen, das der Weltklimarat 2015 im Abkommen von Paris festgelegt hat, wären nachhaltiges Wirtschaften und eine Abkehr von fossilen Energieträgern notwendig. «Wir müssen handeln», sagt Kathy Riklin, Präsidentin des Beratenden Organs für Fragen der Klimaänderung (OcCC). Internationale Gremien aber auch Akteure auf lokaler Ebene seien gefordert, um Anpassungen umzusetzen.

Herausforderungen und Chancen des Klimawandels

Unter Leitung von ProClim, dem Forum für Klima und globale Umweltveränderungen der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), haben die Wissenschaftler die für die Schweiz relevanten Ergebnisse aus dem Weltklimabericht zusammen getragen und sie mit neuen Studien zum Alpenraum ergänzt. Sie veröffentlichten das 200 Seiten lange Dokument am Montag vor den Medien in Bern. Es zeigt Fakten zum zukünftigen Klima in der Schweiz sowie mögliche Folgen des Wandels auf und enthält konkrete Vorschläge für eine klimabewusste Lebensweise, vom Reiseverhalten zum Wohnen und Heizen bis zum umweltbewussten Essen und Trinken.

Martine Rebetez von der WSL und der Universität Neuenburg weist zum Beispiel darauf hin, dass kürzere Winter und weniger Schnee den Wintertourismus gefährden. Andererseits könnten Seenregionen und alpine Regionen von einer verlängerten Sommersaison im Frühling und im Herbst profitieren. Die Klimaforscherin schlägt vor, diese neuen Chancen zu konkretisieren und neue, klimaunabhängige Tourismusangebote zu gestalten. Oberste Priorität habe jedoch der Schutz vor klimabedingten Naturgefahren.

Für die Agglomerationen und Städte werden häufiger auftretende Hitzewellen eine der grössten Herausforderungen bei der Anpassung an den Klimawandel sein, schlussfolgert der Geograph Marco Pütz von der WSL. Abhilfe könnten Grünflächen und bessere natürliche Durchlüftung schaffen. „Allerdings entstehen damit Zielkonflikte mit dem verdichteten Bauen“, wendet er ein. Eine Lösung könne es sein, klimakompatibles Bauen zum Ziel der Raumplanung zu machen und in die Nutzungsplanung der Gemeinden und in die Richtplanung der Kantone aufzunehmen. Dies würde Städte und Regionen zu Klimawandel-Aktivitäten animieren und der Bund könne sie besser unterstützen.

Der Klimawandel biete der Schweiz viele Chancen, betonen die Experten von ProClim. Um die Chancen zu nutzen und die Herausforderungen der Klimaänderung anzugehen, brauche es jedoch das Engagement aller Parteien, Politiker und Bürger, heisst es im Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz».

 

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