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Wer hat meine Raupe gefressen? Hilfe von Schulklassen gefragt

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12.09.2017  |  News

 

Forschende der Eidg. Forschungsanstalt WSL appellieren an die Hilfe von Schulklassen für ein grosses Citizen-Science Projekt. Nächsten Frühling werden sie mit Kollegen aus acht Ländern von Portugal bis Schweden Hunderte von Raupen aus Knetmasse in Eichen verstecken. Die Schnabel-, Zahn- oder Mandibelspuren, die von Räubern hinterlassen werden, verraten die Aktivität dieser Räuber abhängig von Klimabedingungen.

 

Die Eiche ist in Europa eine der Baumarten, welche die grösste Vielfalt an pflanzenfressenden Insekten beherbergt. Meistens fressen diese Insekten nur einen kleinen Teil der Blätter, doch wenn dies Jahr für Jahr geschieht, kann es die Eichen schwächen und ihr Wachstum verlangsamen. Massenentwicklungen von Schädlingen wie des Schwamm- oder Prozessionsspinners können Eichen sogar töten, wenn sie mit Krankheiten oder anderen Stressfaktoren zusammenfallen – zum Beispiel Trockenheit als Folge des Klimawandels.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Die Eichen sind jedoch nicht wehrlos, sie produzieren abstossende oder giftige Substanzen in ihren Blättern. Ausserdem stehen die pflanzenfressenden Insekten auf dem Speisezettel von vielen Räubern wie Vögeln, Raubinsekten, Spinnen und Säugetieren. Die Bäume werden von den Feinden ihrer Feinde geschützt – dies nennt man eine trophische Kaskade.

Viele Forschende gehen der Frage nach, wie der Klimawandel auf diese trophische Kaskade wirken wird. Es ist nämlich schon lange bekannt, dass pflanzenfressende Insekten in wärmeren Regionen mehr Schaden anrichten als in kalten. Mit steigenden Temperaturen werden Insekten im Frühling bzw. Sommer früher, und im Herbst länger aktiv sein. Dies könnte die Eichen schwächen – nicht nur im Süden, sondern auch im Norden Europas. Es sei denn, die Eichen investieren auch mehr in Ihre Verteidigung.

Unter der Leitung von Bastien Castagneyrol, aus dem französischen Forschungsinstitut für Agrarwissenschaft Inra in Bordeaux, starten Wissenschaftler aus acht Ländern ein Projekt, das den Frass durch Räuber sowie die Verteidigung der Eichen quer durch alle Klimazonen Europas dokumentieren soll. Martin Gossner, Entomologe an der Eidg. Forschungsanstalt WSL, erklärt: "Wir werden so viele Raupenimitate wie möglich beobachten. Dank der Hilfe von Schulklassen können wir wesentlich mehr Bäume überwachen, was den Vergleich erst aussagekräftig macht."

 

Raupen aus Knetmasse

Die Schülerinnen und Schüler werden dafür Raupen aus Knetmasse und Draht basteln, die sie im Frühling 2018 an einer Stieleiche (Quercus robur) in ihrer Nachbarschaft befestigen. Die Räuber werden diese Köder angreifen, als ob sie echte Beute wären, und dabei Spuren mit ihrem Schnabel, ihren Zähnen oder Mandibeln (die Mundwerkzeuge von Insekten) hinterlassen.

Jeweils nach zwei Wochen und nach einem Monat werden die Schülerinnen und Schüler die Spuren der Räuber zählen und fotografieren. Ausserdem werden sie einige Blätter an den Projektleiter in Frankreich schicken, der das Ausmass des Blattfrasses und den chemischen Inhalt der Blätter analysieren wird.

Mit der Hilfe der Schulklassen in den verschiedenen Ländern wird es somit möglich sein, chemische Verteidigung, Insektenfrass und Angriffe durch Räuber abhängig vom Klima zu vergleichen, und das von Süd- bis nach Nordeuropa.

Die Eichen, die für dieses Projekt ausgewählt werden, können einfacher und zuverlässiger im Herbst, vor dem Laubfall, als im Frühling bestimmt werden. Deshalb empfehlen wir Lehrerinnen und Lehrern, die bei diesem Forschungsprojekt mitmachen möchten, baldmöglichst mit dem Projektleiter für die Schweiz (siehe unten) Kontakt aufzunehmen.

 

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