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Windkraft nutzen und Biodiversität schützen

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Wie lässt sich die Nutzung der Windkraft mit dem Schutz der Biodiversität vereinen? Um dies zu bestimmen, haben Forschende von der Eidg. Forschungsanstalt WSL, der EPFL sowie aus Rumänien ein Simulationsmodell entwickelt. Getestet wurde das Modell in Rumänien, doch es wäre auch im Schweizer Jura anwendbar.

 

Das Rechenmodell ist als Hilfsmittel für Behörden und Unternehmen gedacht, die Windkraftanlagen bauen wollen. Sie können damit berechnen, wie viel Windenergie an einem Standort produziert werden kann und wie vielfältig die Landschaft sein muss, um die Biodiversität zu bewahren. Entwickelt hat es die Forschungsgruppe von Alexandre Buttler von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL gemeinsam mit weiteren Forschenden der ETH und in Rumänien.

In dem Modell lässt sich zum Beispiel die landwirtschaftliche Nutzung berücksichtigen. Denn in offenem Acker- und Weideland entstehen stärkere Winde als im dichten Wald, der die Leistung von Windkraftanlagen eher reduziert. Gemäss der im Fachjournal «Science of the Total Environment» veröffentlichten Studie können Windkraftanlagen in einer überwiegend bewaldeten Umgebung nur 60 Prozent ihrer maximalen Leistung erreichen und die Biodiversität ist mittel. Wenn im anderen Extrem hingegen das Umland komplett aus Weide- und intensiv bewirtschaftetem Ackerland besteht, gibt es zwar genug Wind für maximale Energieproduktion, die Biodiversität jedoch aufgrund der eintönigen Landschaft tief.

Einen Kompromiss finden

Das Fazit: Mit der richtigen Balance zwischen Landwirtschaftsland und Wald kann der Windpark 70 bis 80 Prozent seiner Produktionskapazität behalten und die Biodiversität ist aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft und Lebensräume hoch. Ein weiterer Vorteil des Modells ist, dass es auch zukünftige Veränderungen der Landnutzungen berücksichtigt und die Betreiber der Windkraftanlage die Energieproduktion über deren ganze Betriebsdauer abschätzen können. «Unsere Resultate zeigen, dass es möglich ist, einen Kompromiss zwischen vielfältiger Landschaft und Windenergie-Produktion zu finden», erklärt Alexandre Buttler, Professor an der WSL und der EPFL. «Zu versuchen, den maximalen Energieertrag zu erzielen, ist nicht der richtige Ansatz.»

Seit dem Ende des Kommunismus sind in den Karpaten grosse Flächen von Waldweiden aufgegeben worden. In diesen Gegenden war die Biodiversität sehr hoch und die Winde stark, ideal für die Windenergieproduktion. Doch diese Landstriche werden nun zunehmend von Wald überwachsen. Das Simulationsprogramm kann helfen zu bestimmen, wie sich in dieser Gegend die Windkraft nutzen und ihre Biodiversität schützen lässt.

Die Fallstudie war Teil des WindLand-Projekts, das durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Rahmen einer Forschungspartnerschaft zwischen der Schweiz und Rumänien finanziert wurde. Als Testfall für die Simulation untersuchten die Forschenden den Einfluss von Landnutzungsvorschriften auf das Windenergie-Potenzial und die Biodiversität in den südlichen Karpaten, obwohl dort derzeit keine entsprechenden Projekte geplant sind.

Die Topografie und Landschaft der Karpaten gleicht denen des Schweizer Juras, wo sich in Höhen zwischen 930 und 1400 Metern Wälder, Felder und Weiden mit einzelnen Bäumen abwechseln. Das Modell könnte somit auch in der Schweiz zum Einsatz kommen.

  

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