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Trockenheit: Pilotbetrieb einer 30-Tage-Vorhersage deutet auf leichte Entspannung hin

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Die ausgedorrten Böden könnten sich per Ende Monat gebietsweise etwas erholen. Darauf deutet eine 30-Tage-Prognose für die aktuelle Trockenheit in der Schweiz hin, die Hydrologen der Eidg. Forschungsanstalt WSL in einem dreiwöchigen Pilotbetrieb erstmals mit Echtzeit-Daten erstellen. Die ab dem 9. August laufende Testphase soll aufzeigen, ob sich die langfristige Trockenheitsprognose im Praxisbetrieb bewährt.

 

Seit Wochen verdunstet in der Schweiz immer mehr Wasser aus Böden, Gewässern und Grundwasser. Auf der Trockenheits-Plattform trockenheit.ch veröffentlicht die Forschungsgruppe Hydrologische Vorhersagen der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL bereits seit 2012 Berechnungen* zu den Wasserdefiziten in der Schweiz, allerdings bisher nur auf fünf Tage hinaus. Das ist die Zeitspanne, in der Wettermodelle Niederschläge, die möglicherweise Hochwasser verursachen können, mit ausreichender Sicherheit vorhersagen.

Vorhersagen auf 20 Tage hinaus nützlich

In diversen Forschungsarbeiten haben die WSL-Hydrologen und ihre Kollegen bei MeteoSchweiz und an der ETH Zürich jedoch zeigen können, dass längerfristige Vorhersagen bei Niedrigwasser und Bodentrockenheit nicht nur sinnvoll, sondern auch machbar wären*. Beide Prozesse finden in Wasserspeichern statt, die langsamer auf Veränderungen reagieren als Prozesse in der Atmosphäre oder auf der Bodenoberfläche, welche zum Beispiel zu Gewitterhochwassern führen, erklärt Massimiliano Zappa, Leiter der Gruppe Hydrologische Vorhersagen. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass Vorhersagen zu Trockenheit auch auf 20 Tage hinaus einen Zusatznutzen bieten, um sich auf kommende Wasserdefizite einstellen zu können.

Angesichts der derzeitigen angespannten Lage haben die WSL-Hydrologen nun mit Unterstützung von MeteoSchweiz ihr hydrologisches Modell mit den aktuellen 30-Tage-Modellrechnungen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage EZMW gefüttert. Diesen Pilotbetrieb werden sie während der nächsten drei Wochen weiterführen. „Wir möchten zeigen, wie weit unsere Methoden sind und der Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, den Nutzen der Monatsvorhersage zu prüfen“, sagt Zappa.

 

Prognose mit Unsicherheiten

Und hier nun die – vorsichtige – Vorhersage für die nächsten drei Wochen: Ausgehend von der Situation am 2. August sieht man auf den Karten eine leichte Zunahme der Bodenfeuchtigkeit bis Ende Monat, insbesondere im Alpenraum und in der Westschweiz. Die Abflüsse der Gewässer und die unterirdischen sogenannten Niedrigwasserspeicher, in denen sich versickerndes Regenwasser sammelt und langsam in die Flüsse gelangt, bleiben jedoch so tief wie in den vergangenen Wochen.

Diese Prognosen müssen vorerst unbedingt mit der nötigen Vorsicht aufgefasst werden. „Sowohl die Wetterprognosen als auch unsere Modelle haben noch Unsicherheiten, die sich verstärken“, betont Zappa. Und je weiter die Vorhersageperiode, desto unsicherer ist die Prognose. Zum Beispiel könne ein Landwirt daraus nicht schliessen, wann er seine Parzelle mit wieviel Wasser bewässern muss.

In vielerlei Hinsicht könnte eine längerfristige Prognose von Trockenheit jedoch durchaus hilfreich sein, zum Beispiel um die Planung der Betreiber von Wasserkraftwerken zu unterstützen, wofür an der WSL das Projekt HEPS4POWER  läuft. Behörden könnten die Bevölkerung frühzeitig zum Wassersparen auffordern oder Fische aus Flüssen mit zu wenig oder zu warmem Wasser retten. „Wir sind gespannt, welches Feedback wir von potenziellen Nutzern dieser Prognosen bekommen“, sagt Zappa. Dafür gibt es eigens ein Feedbackformular auf der Webseite www.trockenheit.ch.

Die Monatsprognosen werden in der Pilotphase unter diesem Link abrufbar sein.

* siehe Reiter Publikationen unten

 

30-Tage-Prognose für Trockenheit

Die Prognosemodelle vergleichen die aktuellen Simulationen der Wasserverfügbarkeit in mehreren Grossregionen mit dem saisonalen Mittel der vergangenen Jahre seit 1981. Je nachdem, wie gross in einer Region die Abweichung gegenüber dem Durchschnitt ist, wird die Fläche auf der Karte weiss (kein Wasserdefizit) oder hell- bis dunkelbraun (leichtes bis grosses Defizit) eingefärbt. Da das Modell für solche Prognosen insgesamt 51 Varianten durchrechnet, ist sowohl die Auswertung als auch eine sinnvolle Darstellung der Resultate aufwändig.

Wie gut ihre 30-Tage-Vorhersagen der hydrologische Variablen sind, haben die Forscher jeweils im Nachhinein anhand der Wetterdaten von MeteoSchweiz und vom Europäischen Wettervorhersagezentrum EZMW überprüft. Es zeigte sich, dass ihre Prognose bei den Faktoren Niedrigwasser und Bodentrockenheit auf 20 Tage hinaus noch recht gut zutrifft.

 

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