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Energiegenossenschaften: Erneuerbare Energie dank starker lokaler Verankerung

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Der im Energiegesetz geforderte Ausbau erneuerbarer Energien wird die Strom- und Wärmeproduktion in der Schweiz weiter dezentralisieren als bisher. Impulse für diesen Prozess können die regional und lokal verankerten Energiegenossenschaften geben, von denen viele eng mit den Gemeinden kooperieren. Dies ergab eine Umfrage der Eidg. Forschungsanstalt WSL.

 

Das 2017 angenommene, total revidierte Energiegesetz zielt unter anderem auf die verstärkte Nutzung erneuerbarer und lokal verfügbarer Energiequellen. Dafür braucht es auch die Mitwirkung sowie die finanzielle Unterstützung von Privaten und Gemeinden. Dies birgt Chancen für lokale oder regionale Organisations- und Eigentumsstrukturen wie Energiegenossenschaften. Durch sie können sich sowohl Privatpersonen als auch Gemeinden jeder Grösse direkt an der Energieproduktion und -versorgung  beteiligen.

Bereits heute realisieren breit abgestützte und gemeinschaftlich finanzierte Genossenschaften kleine bis mittelgrosse Anlagen für die Energieproduktion, z.B. Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung. Auch die Wärmeerzeugung mit Holz ist teilweise genossenschaftlich organisiert. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass lokale und regionale Energiegenossenschaften die Energiepolitik vor allem in kleineren und mittelgrossen Gemeinden unterstützen und voranbringen.

Obwohl es in der Schweiz seit mehr als 120 Jahren Energiegenossenschaften für die Produktion und Verteilung von Strom gibt, fehlten bisher flächendeckende empirische Daten zu ihren Strukturen und Tätigkeiten. Darum untersuchten Forschende der Eidg. Forschungsanstalt WSL im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 71 «Steuerung des Energieverbrauchs» solche  Genossenschaften in der Schweiz. Mit einer Befragung wandte sich die WSL im Jahr 2016 an alle 289 im Handelsregister identifizierten Energiegenossenschaften, um Informationen zu ihrer Organisationsstruktur, ihren Tätigkeiten in der Strom- und Wärmeerzeugung, ihren Finanzen, den politischen Rahmenbedingungen und ihren Zukunftseinschätzungen zu gewinnen.

Zahlreiche neue Energiegenossenschaften

Insgesamt 136 Energiegenossenschaften (47%) nahmen an der Befragung teil. Etwa die Hälfte von ihnen ist in den Kantonen Aargau, Bern und Zürich angesiedelt. Die meisten der antwortenden Energiegenossenschaften erzeugen mit eigenen Photovoltaik-Anlagen Strom: 93 % betreiben solche und 66 % wollen diese in den nächsten fünf Jahren ausbauen. Von den wärmeerzeugenden Genossenschaften nutzen 75 % verholzte Biomasse.

Insbesondere die etwa 150 Genossenschaften, die in den 1990er Jahren und nach 2011 (Bundesratsentscheid zur Energiewende) entstanden, nutzen fast ausschliesslich erneuerbare Energiequellen. Diese überwiegend im ländlichen Raum tätigen Genossenschaften verfolgen die Ziele, die dezentrale Energieerzeugung zu fördern, die lokale Identität und Gemeinschaft zu stärken sowie eine Alternative zur Kernkraft zu bieten. Die Mitglieder der Energiegenossenschaften sind vor allem Privatpersonen, Landwirte und Gemeinden beziehungsweise Beauftragte von Gemeinden. Im Vergleich zu Deutschland gibt es in der Schweiz zwar etwa gleich viele Genossenschaften pro Tausend Einwohner, doch die Schweizer Genossenschaften sind deutlich kleiner und weniger präsent in der öffentlichen Diskussion. Dies steht allerdings im Kontrast zu ihrer oft engen Zusammenarbeit mit Gemeinden, den Energieversorgungsunternehmen und der lokalen Bevölkerung.

Trotz ihrer Stärken sehen Genossenschaften die Zukunft nicht rosig

Die meisten Energiegenossenschaften der Schweiz sind ökonomisch solide aufgestellt, jedoch nur begrenzt zuversichtlich im Hinblick auf ihr Wachstums- und Entwicklungspotenzial. Die am häufigsten genannten Faktoren, die ihre zukünftige Entwicklung begrenzen, sind die im Vergleich zu Deutschland schwächere staatliche Förderung sowie unzureichende Absatzmöglichkeiten für die produzierte Energie. Darum schätzen etwa 60 % der antwortenden Genossenschaften ihr Wachstumspotenzial nur als klein und 27% als mässig ein. Dennoch streben die meisten ein moderates Wachstum in verschiedenen Bereichen an, so vor allem bezüglich der Kapazität der Energieerzeugung, der Kundenzahl sowie des Geschäftsumsatzes.

„Insgesamt zeigt die Befragung, dass die Genossenschaften eine Pionierrolle dabei spielen können, die Produktion erneuerbarer Energie voranzubringen - und dies mit einer breiten Finanzierungsbasis und grossen öffentlichen Akzeptanz“, sagt Irmi Seidl, die Projektleiterin der WSL. Energiegenossenschaften sind wichtige Akteure, weil sie neue Entwicklungen und gesellschaftliche Werte in die Diskussion um die Energiezukunft einbringen und eine dezentralisierte Nutzung erneuerbarer Energiequellen unterstützen. „Zentral ist, dass die Energiewende von der Bevölkerung mitgetragen wird“, sagt Benjamin Schmid (WSL), der die Umfrage mit konzipierte und auswertete. „Energiegenossenschaften können dazu beitragen, indem sie direkte Möglichkeiten für lokales energiepolitisches Handeln bieten“.

 

Dieses Forschungsprojekt wird im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Steuerung des Energieverbrauchs» (NFP 71) des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) durchgeführt. Weitere Informationen zum Nationalen Forschungsprogramm sind auf www.nfp71.ch zu finden.

 

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