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Regionalentwicklung: Wie Regionen ihr Potenzial nutzen können

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Neue Regionalpolitik, Regionale Naturpärke und vieles mehr: die Entwicklung der Regionen ist in der Schweiz ein zentraler Pfeiler der Politik. Doch wie funktionieren regionale Entwicklungsprozesse wirklich? Und wie liessen sie sich besser unterstützen? Dazu geben Forschende der Eidg. Forschungsanstalt WSL in einem Factsheet Auskunft.

 

Es ist eine Begleiterscheinung des Föderalismus: Viele grössere Aufgaben, wie z.B. regionale Verkehrsplanung oder Siedlungsentwicklung, können Gemeinden nicht alleine bewältigen. Deshalb schliessen sich viele Gemeinden zu grösseren Verbänden zusammen, sogenannten regionalen Entwicklungsträgern. In den letzten zehn Jahren sind in der Schweiz viele solche Zusammenschlüsse neu gegründet oder umstrukturiert worden. Dazu zählen beispielsweise neu entstandene regionale Naturpärke, aber auch Gemeindeverbände, die u.a. die Neue Regionalpolitik des Bundes umsetzen wie z.B. die Regio Frauenfeld, die Region Oberaargau oder LuzernPlus.

Eine wichtige Motivation hierfür sind verschiedene regionalpolitische Programme des Bundes, wie beispielsweise  die Neue Regionalpolitik (NRP) oder die Pärkepolitik. Beide sind seit 10 Jahren in Kraft und zielen darauf ab, den ländlichen Raum sowie Berg- und Grenzgebiete zu fördern, indem sie regionale Produkte, kreative Ideen und nachhaltige Projekte unterstützen. Durch die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit dieser Regionen soll es diesen gelingen, den Strukturwandel besser zu bewältigen.

Regionale Entwicklungsträger übernehmen vielfältige Aufgaben: sie führen strategische Planungsprozesse in den Regionen durch und vernetzen Menschen und Institutionen. Zudem unterstützen sie findige Personen bei der Umsetzung von Projektideen und kümmern sich um Finanzierungsmöglichkeiten. Darüber hinaus koordinieren sie unterschiedliche Akteure, um regionale Entwicklungsprozesse gemeinsam anzustossen.

Beispiele für gelungene regionale Entwicklungsprojekte sind unter anderem der „Holzweg Thal“ im Naturpark Thal, der die regionale Holzindustrie auf künstlerisch-verspielte Weise erlebbar macht, oder das Angebot „Picknick und Genuss“ der Regio Frauenfeld. Es stellt für Ausflüge in der Region eine spezielle Karte bereit, auf der neben regionalen Wander- und Velowegen auch Picknick-Stellen und Hofläden mit regionalen Spezialitäten eingezeichnet sind.

Wie regionale Entwicklungsprozesse gelingen können

Regionale Entwicklungsträger sind häufig als Vereine organisiert, deren Mitglieder in erster Linie Gemeinden sind. Daneben können auch private Akteure wie Tourismusvereine, Wirtschaftsverbände, private Unternehmen und interessierte Personen aus der Bevölkerung Mitglied werden. Die Vielzahl an Akteuren mit vielfältigen Anliegen, Interessen und Vorstellungen macht es nicht einfach, regionale Entwicklungsprozesse voranzubringen.

Wie gemeinsame regionale Initiativen trotzdem funktionieren und zufriedenstellende Resultate liefern können, haben Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL untersucht. Sie befragten 33 Expertinnen und Experten in sechs Fallregionen dazu, welche Stolpersteine beim Ausarbeiten und Umsetzen von Entwicklungsstrategien und -projekten auftreten können. Die Ergebnisse und ihre Empfehlungen präsentieren sie nun in einem Factsheet der Akademien der Wissenschaften Schweiz (swissacademies).

 

Regionale Akteure und deren Handeln sind entscheidend

Die Umsetzung regionaler Entwicklungsstrategien und somit auch der Verlauf regionaler Entwicklungsprozesse hängen massgeblich davon ab, wie sie von regionalen Akteuren unterstützt werden. Wie jeder Verein, funktioniert auch ein regionaler Entwicklungsträger nur so gut, wie er von seinen eigenen Mitgliedern unterstützt wird und diese bereit sind, sich auf eine regionale Denkweise einzulassen.

«Daneben benötigen regionale Entwicklungsträger ausreichend Kapazitäten und Kompetenzen, um potenzielle Projektverantwortliche von Anfang an zu begleiten, zu unterstützen und zu vernetzen», sagt Yasmine Willi, die diese Untersuchung in ihrer Doktorarbeit unter der Leitung von Marco Pütz durchgeführt hat.

Als hilfreich haben sich zudem regionale Entwicklungsstrategien mit konkreten und vor allem verbindlichen Zielen und Massnahmen erwiesen. «Oft fliessen viel Zeit, Engagement und finanzielle Mittel in die Erarbeitung regionaler Entwicklungsstrategien, ohne jedoch deren Umsetzung ausreichend konkret zu planen», sagt Willi. Wenn die Strategie zudem eher aus vagen Visionen besteht, wie z.B. «die regionale Wirtschaft soll gestärkt» oder «attraktive Arbeitsplätze sollen geschaffen werden», fühlt sich für deren Realisierung jedoch meist niemand verantwortlich.

Drei Tipps für den Erfolg

Die Autorin und der Autor des Factsheets machen auf drei Kernbotschaften aufmerksam. Erstens sollen Aufgaben innerhalb der regionalen Entwicklungsträger klar verteilt sein und die Akteure die nötigen Handlungskompetenzen besitzen. Zweitens ist es von grosser Bedeutung, die konkrete Umsetzung bereits bei der Erarbeitung regionaler Entwicklungsstrategien vorzuspuren und zu planen. Und drittens sollten in der Schweiz alle Partner in der Raumentwicklung ihre Planungen und Massnahmen optimal aufeinander abstimmen.

 

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