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Blick in den Wald: Sämtliche Fotos des Landesforstinventars online

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Ob Buchenwald im Mittelland oder Bergföhren in den Alpen: Rund 30'000 Fotos von Wäldern in der ganzen Schweiz hat das von der WSL und vom BAFU gemeinsam durchgeführte Landesforstinventar (LFI) aufgenommen. Jetzt ist dieser Fundus im Internet abrufbar. Damit können Fachleute und Laien die Wälder der Schweiz nach Belieben erkunden – bequem von zu Hause aus.

  

Auch Forschungsfotos können einfach nur schön sein. Alle Fotos: LFI/WSL

 

In der Schweiz stehen über 500 Millionen Bäume - zu viele, um sie alle zu untersuchen. Um dennoch möglichst viel über den Zustand der Schweizer Wälder und ihre Veränderungen zu erfahren, gibt es das Schweizerische Landesforstinventar (LFI). Im Turnus von neun Jahren vermessen LFI-Mitarbeitende rund 130'000 Bäume auf 6500 Stichprobenflächen. Seit den 1980er Jahren läuft diese von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) gemeinsam geleitete Langzeitüberwachung schon. Seit 2018 ist die fünfte Erhebung im Gange.

Ab April fahren und marschieren die Feldteams wieder bei jeder Witterung auf die Untersuchungsflächen und vermessen alle Bäume ab einer gewissen Grösse – im Schnitt sind es 12 Bäume pro Fläche. Ausserdem erheben sie eine Vielzahl von Merkmalen zum Standort und Bestandesaufbau: junge Tannen, alte Buchen, dicke Fichten, dünne Ahornbäume. Die Mitarbeitenden des LFI erheben auch am Waldboden liegendes Totholz, sie erfassen Schäden an den Bäumen, beschreiben Waldränder. Insgesamt erfassen sie rund 300 Merkmale.

360°-Blick in den Wald

Seit gut zehn Jahren gehören dazu auch Digitalfotos, aufgenommen von der Mitte der Probefläche in alle Himmelsrichtungen. Die zumeist unspektakulären Aufnahmen dienen dazu, Aufbau und Aussehen der Fläche und des Bestandes zu dokumentieren und helfen beim Wiederfinden derselben. Mehr als 30'000 Fotos sind so bisher zusammengekommen – die meisten davon sind jetzt online auf «Schweizer Wald in Bildern» verfügbar. Seit 2018 machen die Teams sogar 360°-Bilder mit einer Kamera mit zwei Objektiven, die je 180° abdecken. So bieten die LFI-Fotos mittlerweile einen faszinierenden Rundumblick in die Schweizer Wälder.

 

Rundumblick mit Bergsicht

360°-Ansicht der LFI-Fläche in Trimmis GR am 27.06.2018

 

Nachwachsender Jungwald im Berggebiet

 
 
 

Bereits jetzt lassen sich für einige Probeflächen mit den Fotos interessante Veränderungen von Waldstücken in den letzten neun Jahren aufzeigen. Dies kann die Verwaldung von lichten Bergwäldern sein, der ideale Lebensraum für das bedrohte Auerhuhn, aber auch Jungwuchs oder Totholz auf Flächen, die Stürme zerzaust haben, sowie Spuren von Holznutzung. Die Probeflächen des LFI decken alle Höhenstufen und alle Arten von Wäldern und Gehölzen ab. Mehr Zeitreihen werden verfügbar sein, wenn die Feldaufnahmen im kommenden April wieder starten und die Fotos laufend ergänzt werden. Was Wald ist und was nicht, entscheiden zuvor speziell geschulte Interpretinnen und Interpreten der WSL anhand von Luftbildern der Landestopographie swisstopo.

«Die Bilddaten sind vorhanden und wir möchten sie für Wissenschaft und Bevölkerung zugänglich machen», sagt Simon Speich. Er ist Informatiker beim LFI und hat die Fotoapplikation programmiert. Die LFI-Fotos kamen schon früher zum Einsatz, als Forschende der WSL sie für eine Umfrage nutzten, mit dem Ziel herauszufinden, welche Art von Wäldern Menschen schön finden und welche nicht. Denkbar sind laut Speich auch weitere Anwendungen der Fotos, zum Beispiel als Datensatz, um Künstliche Intelligenz zu trainieren.

Einzelne Bilder können (über einen Link) direkt heruntergeladen werden und dürfen unter Angabe der Quelle LFI/WSL frei verwendet werden. Allerdings bleiben die exakten Koordinaten der Probeflächen geheim und Fotos, die ihren Standort verraten würden, werden aussortiert. So soll sichergestellt werden, dass die Probeflächen nicht gestört werden und auch in Zukunft möglichst gut die Gesamtheit der Schweizer Wälder repräsentieren.

 

Das LFI wird von der WSL in Zusammenarbeit mit der Abteilung Wald des BAFU durchgeführt. Die WSL ist verantwortlich für Planung, Datenerhebung, Analyse und wissenschaftliche Interpretation, das BAFU für die waldpolitische Interpretation.

 

Da war es nur noch einer. Holznutzung in Wichtrach BE.

 
 
 

Sturm- und/oder Hochwasserschäden in einem Bachtobel

 
 
 

Im Lauf der Jahre hat sich hier einiges an Totholz und Jungwuchs angesammelt

 
 
 

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