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Käfer, eingeschleppte Pilze und Wild machen dem Wald zu schaffen

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15.7.2019  | Beate Kittl | News WSL 

 

Trockenheit und Borkenkäfer machen dem Wald zu schaffen. Ausserdem gelangen immer neue Waldschädlinge mit dem Handel in die Schweiz. Der Waldschutzüberblick 2020 von Waldschutz Schweiz, der Beratungsstelle für Waldgesundheit der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, zeigt die aktuellen Herausforderungen der Schweizer Wälder auf.

 

Eine ungünstige Kombination von Faktoren sorgte 2020 für eine weitere Explosion der Borkenkäferzahlen: Die starke Trockenheit von 2018 hatte viele Bäume geschwächt oder abgetötet, was ideale Brutstätten schuf. Winterstürme Anfang 2020 warfen weitere Bäume um, und ein extrem trockener April, ausgerechnet in der Phase des Blattaustriebs, verhinderte eine Erholung. Zudem hatten viel mehr Käfer als gewöhnlich den sehr warmen Winter überlebt. Bergwälder, die sich schon länger zuwenig verjüngen (wegen Wildeinfluss unter anderem) und wo starke Borkenkäferschäden dazu kommen, können deshalb ihre Schutzfunktion vor Naturgefahren verlieren. «Diese Konstellation birgt grosse Gefahren für die Schweizer Schutzwälder», schreibt Martin Bader von Waldschutz Schweiz im neuen Waldschutzüberblick 2020. 

Die mittlere Zahl der, in Insektenfallen gefangenen Borkenkäfern erreichte 2020 mit 29'000 Individuen einen Höchststand. Immerhin wurde auch eine steigende Zahl von natürlichen Feinden der Borkenkäfer beobachtet, wie Spechte und Schlupfwespen, berichtet der Insektenspezialist Martin Bader. Die bessere Wasserversorgung der Fichte könnte zudem ihre Abwehrkräfte stärken. Dennoch werde 2021 ein intensives Käferjahr (siehe Waldschutz Aktuell 1/2021). Sorge bereitete Bader zudem die Zunahme von Borkenkäferbefall an Atlaszedern, eine nordafrikanische Baumart, die angesichts des Klimawandels als Hoffnungsträger gilt.

 

Eingeschleppte Baumschädlinge

Nicht-einheimische Insekten, aber auch Pilze und andere Baumschädlinge, gelangen häufig als blinde Passagiere mit dem internationalen Handel in die Schweiz. Um das zu verhindern, gilt seit 2020 in der Schweiz und der EU ein neues Pflanzengesundheitsrecht, erklärt Valentin Queloz. Es sieht zum Bespiel Pflanzenpässe für importierte Pflanzen vor sowie verstärkte Zollkontrollen z.B. mit extra abgerichteten Spürhunden. Neu kommt eine jährliche Gebietsüberwachung hinzu, welche die WSL 2020 in einem Pilotprojekt getestet hat. In sechs Kantonen stellte sie auf je zwei Flächen Insekten- und Pilzsporenfallen auf, um ein gutes Dutzend gefährlicher Insektenarten und Pilzkrankheiten aufzuspüren. Sie fanden im ersten Testjahr keine der gezielten Arten – dafür eine eingeschleppte Bockkäferart (Xylotrechus stebbingi).
Ebenfalls mit dem Handel gelangen Pilze auf Verpackungsholz in die Schweiz. Das ist erstaunlich, denn um die Verschleppung von Schadorganismen zu verhindern, müssen Verpackungen mit Hitze oder Chemikalien behandelt werden. Waldschutz Schweiz untersuchte 2019 und 2020 fünf Fälle von mit Pilzen befallenen Holzpaletten. Zwei Drittel davon waren Schimmelpilze, deren Sporen gefährliche allergische Reaktionen beim Menschen auslösen können. Der Rest waren Holzpilze und Krankheitserreger, die Kulturpflanzen befallen könnten. Deshalb müsste solches Verpackungsholz möglichst rasch korrekt entsorgt werden, empfiehlt Pilzspezialist Ludwig Beenken. 
Mit zwei weiteren Krankheitsbildern wenden sich Försterinnen und Förster immer öfter an die Beratungsstelle Waldschutz Schweiz: Zum einen Feuchtigkeitsaustritte aus Baumstämmen, was Schleimfluss genannt wird. Ursache können Bakterien oder Pilze sein, die oft nur mit molekularen Methoden identifizierbar sind. 2020 führte Waldschutz Schweiz 43 Untersuchungen zu Schleimfluss durch – fast eine pro Woche. 
Zum anderen fielen den Forstdiensten zunehmend Schäden bei Bergahornen auf, die womöglich noch von der Trockenheit von 2018 geschwächt sind. Pilze wie Neonectria punicea und Bakterien verursachen abgestorbene Stellen am Stamm (Nekrosen), welche die Lebenskraft und den Holzwert der Bäume schmälern. 

 

Wildverbiss ist nach wie vor eine bedeutende Schadenursache

Wilde Huftiere wie Rehe, Hirsche und Gämsen richten in manchen Wäldern grosse Schäden an, sodass junge Bäume nicht in genügender Anzahl nachwachsen können. Während 30 Jahren hat Oswald Odermatt von Waldschutz Schweiz Wildschäden begutachtet und erhoben. «Die Brennpunkte mit den grössten Wildschadensproblemen sind über die Jahre die gleichen geblieben», schreibt Odermatt. Er hat Methoden zur Erhebung und Verhinderung von Wildschäden entwickelt und die Forstdienste bei ihrer Anwendung beraten. Mit seiner Pensionierung übernimmt Andrea Kupferschmid von der WSL-Gruppe «Bestandesdynamik und Waldbau» die Beratung zu Wildverbiss und zum Wald-Wild-Gleichgewicht.

 

Waldschutz Schweiz

Als Fachstelle für Waldschutzfragen haben wir für forstlich relevante Themen und Organismen zu jeder Zeit einen Überblick über die Situation in Schweizer Wäldern.

Waldschutz Schweiz erhebt zusammen mit den kantonalen Forstdiensten Vorkommen und Ausmass von biotischen und abiotischen Beeinträchtigungen des Waldes, informiert über aktuelle Waldschutzereignisse, berät Betroffene bei Waldschutzfragen, und engagiert sich in der Weiterbildung von Forstdiensten, der Grünen Branche, Studierenden und weiterem Fachpersonal.

Da koordiniertes internationales Handeln immer wichtiger wird, pflegen wir zudem den Informationsaustausch mit in- und ausländischen Fachkollegen. Damit stellen wir eine Schnittstelle zwischen Forschung, Praxis und Behörden dar, eine Plattform für Informationen.

 

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