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Für die Artenvielfalt der Bodentiere ist die Höhenlage ausschlaggebend

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Käfer, Tausendfüssler oder Ameisen sind enorm wichtig für das Funktionieren von Böden. Dies gilt besonders in Bergwäldern, wo der Klimawandel sich besonders stark auswirkt. Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und die Uni Basel haben nun gemeinsam untersucht, wie die Vielfalt der Bodentiere über die Höhenstufen hinweg entstanden und verteilt ist.

 

Zu Pflanzenvorkommen im Gebirge wurde schon recht viel geforscht, zu den im Boden lebenden Tieren hingegen wenig. «Die von uns untersuchten Tiergruppen sind für das Funktionieren der Ökosysteme von Bedeutung und einige davon haben wichtige Aufgaben im Nährstoffkreislauf, wie Tausendfüssler, oder in Bezug auf die Bodenstruktur, wie Ameisen mit Erdnestern», sagt der Mitautor Stephan Zimmermann von der WSL-Forschungsgruppe Bodenfunktionen und Bodenschutz. Diese Gruppen seien zudem repräsentativ für zahlreiche weitere Arthropodengruppen: Spinnen sind Jäger, während Tausendfüsser Streu abbauen und so Nährstoffe bereitstellen.

Die Alpen sind besonders stark vom Klimawandel betroffen, und diese kleinen Tiere können nicht so leicht abwandern. Ein Forschungsteam von der WSL und der Universität Basel hat nun Organismen wie Spinnen, Hundert- und Tausendfüssler sowie diverse Käfer untersucht, um deren Vorkommen in unterschiedlichen Höhenlagen besser zu verstehen.  

Der Schweizerische Nationalpark ist schon seit 1914 von Menschen weitgehend unberührt. Deshalb war er für diese Untersuchung bestens geeignet. Auf Höhen von 1800 bis 2750 Metern hat das Forschungsteam mit der Suche von Auge, künstlichen Unterschlupfen und Bodenfallen über 14'000 Individuen gefangen. Sie gehörten insgesamt 248 Arten aus den sechs Tiergruppen Spinnen, Laufkäfer, Hundert- und Tausendfüsser, Kurzflügelkäfer und Ameisen an.

 

Die Höhe zählt

Nun suchten die Forschenden mit statistischen Methoden nach Mustern in der Höhenverteilung und fanden drei verschiedene: eine stete Abnahme mit zunehmender Höhe (Hundertfüsser), eine konstante Zahl und dann eine rasche Abnahme in grosser Höhe (Ameisen und Kurzflügelkäfer) und ein Artenmaximum in mittleren Höhenlagen mit Abnahme in grosser Höhe (Spinnen und Tausendfüsser). Wie viele Arten wo vorkamen, hing bei allen Tiergruppen fast ausschliesslich von der Höhenlage ab. Die meisten anderen Boden- und Vegetationsmerkmale hatten kaum Einfluss, da sie selber von der Höhenlage abhängig sind, wie die Forschenden in der Fachzeitschrift PLOS ONE berichten.  Als bemerkenswert erwähnen sie, dass die Muster so uneinheitlich sind. «Die Betrachtung nur einer einzigen Gruppe kann zu irreführenden Ergebnissen für die gesamte Artenvielfalt führen», sagt Zimmermann. Die Autoren empfehlen für künftige Studien über Höhenunterschiede, stets mehrere Artengruppen zu betrachten.

 

Gebirge vom Klimawandel stark betroffen

Diese Untersuchung liefert angesichts des Klimawandels wertvolle Basisdaten über das Vorkommen von wirbellosen Bodenbewohnern in der Höhe. «Gebirgsarten sind von der fortschreitenden Erwärmung stark betroffen, denn der Temperaturanstieg ist dort überdurchschnittlich hoch», sagt Zimmermann. Viele Tier- und Pflanzenarten verschieben ihre Verbreitung in höhere Lagen, wo der Lebensraum knapp ist. Für die dort lebenden Arten nimmt die Konkurrenz um Nahrung und Lebensräume zu. Da alpine Böden sehr lange brauchen, um zu entstehen oder um sich nach Störungen zu erholen, ist eine gut funktionierende Bodenfauna für sie besonders wichtig.

 

  

 

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