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Aquatische Insekten sind seltener invasiv

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23.09.2022 | Majken Grimm/Lisa Bose | News WSL 

 

Bei Insekten, die ganz oder teilweise im Süsswasser leben, ist der Anteil invasiver Arten wesentlich kleiner als bei Insekten, die an Land leben. Dies zeigt eine Studie der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Zusammenarbeit mit dem Wasserforschungsinstitut Eawag und einem internationalen Forscherteam.

 

Invasive Insektenarten können grossen wirtschaftlichen und ökologischen Schaden verursachen. So zerstört der Asiatische Eschenprachtkäfer in Amerika weiträumig Eschenbestände und verbreitet sich seit einigen Jahren auch im Osten Europas. Die Kirschessigfliege lässt nicht nur die Ernteerträge im Beeren-, Obst- und Weinbau einbrechen, sie befällt auch Waldpflanzen, was erhebliche ökologische Schäden zur Folge haben kann.

Eine Studie im Rahmen der von der Eawag und der WSL lancierten Forschungsinitiative Blue-Green-Biodiversity zeigt nun, dass Insekten, die für ihren Lebenszyklus auf Süsswasser angewiesen sind, seltener invasiv sind als terrestrische Insekten, also solche, die ausschliesslich an Land leben. In den drei untersuchten Grossregionen Europa, Nordamerika und Neuseeland ergab sich überall ein ähnliches Bild.

 

Wenn Insekten zwischen den Kontinenten reisen

Aus anderen Studien ist bekannt, dass auch Wassertiere wie Krebse und Muscheln oft unabsichtlich transportiert werden, beispielsweise mit dem Ballastwasser im Tank von Schiffen. «Dass es so wenige invasive aquatische Insekten gibt, ist erstaunlich, weil Insekten eine der häufigsten Artengruppen im Süsswasser sind», sagt Eckehard Brockerhoff, Leiter der Studie.

Grund dafür dürften die Ansprüche der aquatischen Insekten an ihren Lebensraum sein – auch während des Transports in neue Gebiete. Diese Insekten sind häufig auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen. Auf langen Reisen wird der Sauerstoff jedoch meist knapp, die anspruchsvollen Passagiere überleben daher Transporte häufig nicht. Zudem werden adulte Tiere kaum verschleppt, da diese nur eine kurze Lebensdauer haben.

Bei den Insekten, die an Land leben, sieht dies anders aus. Sie können über eine Vielzahl von Wegen wie in und auf Pflanzenmaterial, Holzpaletten oder in Containern verschleppt werden und finden so zahlreiche Mitreisemöglichkeiten. Blattläuse beispielsweise sind oft blinde Passagiere beim Transport von exotischen Pflanzen. Weil sie sich auch ohne Partner vermehren können, reicht theoretisch bereits eine einzige Blattlaus aus, um am neuen Ort eine Population zu gründen.

 

Mücken als Überlebenskünstler

Doch unter den aquatischen Insekten gibt es auch Ausnahmen: «Mücken sind nicht so anspruchsvoll, sie kommen auch mit sauerstoffarmem Wasser zurecht», sagt Brockerhoff. Ihnen reichen bereits Pfützen oder ein Gefäss, in dem sich Regenwasser angesammelt hat, damit sie sich vermehren können. Die Larven finden sich beispielsweise in Gebrauchtreifen, die oft etwas Regenwasser enthalten und so während des Transports einen Lebensraum für Mückenlarven bieten.

Tatsächlich ergab die Studie, dass es unter den Mücken vergleichsweise viele invasive Arten gibt. «Dass sich diese dann auch noch auf mehr als einem Kontinent invasiv verhalten, deutet darauf hin, dass diese Arten das Potenzial haben, sich noch stärker auszubreiten», sagt Brockerhoff. Ein Beispiel dafür ist die ursprünglich aus Südostasien stammende Tigermücke, die sich sowohl in Europa als auch in Nordamerika und weiteren Erdregionen angesiedelt hat.

Das Wissen über die Eigenschaften invasiver Arten und die Wege, über die sie auf andere Kontinente gelangen, hilft im Kampf gegen die Verschleppung von Tieren und Pflanzen durch den internationalen Handel. Handlungsbedarf besteht insbesondere bei invasiven Insekten, die an Land leben. Doch auch die aquatischen Insekten dürften sich in Zukunft in neuen Gebieten weiter ausbreiten, wenn nicht rechtzeitig geeignete Massnahmen getroffen werden.

  

  

 

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