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Waldbeobachtung soll zur Klimaneutralität beitragen - neues EU-Projekt mit Schweizer Beteiligung

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08.11.2022 | NIBIO – Norwegian Institute of Bioeconomy Research | News WSL 

 

In ganz Europa werden Wälder überwacht, um das Waldwachstum zu quantifizieren. Das EU-Projekt PathFinder zielt darauf ab, die Art und Weise zu koordinieren, wie Daten aus Waldinventuren zwischen den Ländern ausgetauscht werden. Ziel ist es, den Entscheidungsträgern bessere Daten über das Waldwachstum zur Verfügung zu stellen, um die Emissionen zu verringern, den Klimawandel abzuschwächen und die biologische Vielfalt zu fördern. Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL ist daran beteiligt.

 
  • «Unser übergeordnetes Ziel ist es, den Übergang Europas zu einer klimaneutralen und widerstandsfähigen Gesellschaft und Wirtschaft zu unterstützen», sagt Johannes Breidenbach, Koordinator des neu gestarteten PathFinder-Projekts der EU.
  • «Gezielte politische Entscheidungen beruhen auf verlässlichen Informationen über den Zustand und die zukünftige Entwicklung der Waldressourcen», so Breidenbach.
  • Die Teilnahme der Schweiz sei wichtig, sagt Marco Ferretti von der Eidg. Forschungsanstalt WSL: «Unser Waldinventarisierungs- und Monitoringsystem auf europäischer und globaler Ebene auf dem neuesten Stand zu halten, ist sowohl eine wissenschaftliche Priorität als auch eine Notwendigkeit, um genaue und vergleichbare Informationen über den Schweizer Wald zu erhalten.»
 

Insgesamt beteiligen sich 23 Forschungseinrichtungen aus ganz Europa – darunter die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL – an dem vierjährigen, von der EU mit 6,3 Millionen Euro finanzierten PathFinder-Projekt. Es soll die Kapazitäten zur Überwachung der Wälder in Europa verbessern, um deren Kohlenstoffspeicherung zu erhöhen und den Verlust der biologischen Vielfalt in den Wäldern zu stoppen.

 

Wälder sind für Wirtschaft, Klima und Biodiversität wichtig

Als Erstes zielt das Projekt darauf ab, ein gemeinsames Überwachungssystem für die europäischen Wälder zu entwickeln, basierend auf den bestehenden Landesforstinventaren. Dies ist wichtig, da ein einheitliches Waldmonitoring aktuelle und zuverlässige Informationen über Treibhausgasemissionen aus Wäldern in ganz Europa gewährleistet.

«Selbst zwischen benachbarten Ländern gibt es Unterschiede in der Art und Weise, wie nationale Waldinventuren durchgeführt werden», sagt Breidenbach. «Durch das PathFinder-Projekt werden wir die Art und Weise harmonisieren, wie diese Wald-Daten europaweit erhoben werden und den Informationsaustausch verbessern.»

Die EU muss Massnahmen ergreifen, so dass die Waldbewirtschaftung zur Eindämmung des Klimawandels und zur Förderung der biologischen Vielfalt beitragen kann.

«Derzeit fehlen zeitnahe und zuverlässige Informationen, um politische Entscheidungen zu treffen», sagt Breidenbach.

 

Modelle für den Klimaschutz und -anpassung

Ein weiteres Projektziel ist es, Modelle zu entwickeln, die vorhersagen, wie die europäischen Wälder unter verschiedenen Szenarien zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung beitragen können. In diesen Szenarien sollen unterschiedliche ökologische und sozioökonomische Triebkräfte berücksichtigt werden.

Laut Breidenbach braucht es ein solches System, um die Fortschritte in Richtung der Klimaziele zu überwachen und den politischen Entscheidungsträgern kontinuierlich Anpassungen ihrer Massnahmen zu erlauben.

Dies ermöglicht das dritte Ziel, nämlich dass Forschende und Interessensgruppen wie die Politik, Landeigentümer, Waldwirtschaft und Natur- und Artenschutzfachleute ihr Wissen und ihre Erkenntnisse austauschen. Damit können kurzfristige Entscheidungen mit langfristigen Ergebnissen verknüpft werden, um die zukünftige Waldbewirtschaftung effektiver und widerstandsfähiger zu gestalten.

«Es gibt viele Wege zu einem klimaneutralen Europa. Unser Ansatz im PathFinder-Projekt ist es, den Weg für Europas Wälder zu finden, der zu den geringsten Kompromissen und maximalen Synergien zwischen den vielen Ökosystemleistungen der Wälder führt», sagt Breidenbach.

 

Originale Medienmitteilung der NIBIO: https://nibio.no/en/news/a-novel-eu-project-provides-forest-information-for-europes-roadmap-towards-climate-neutrality

 

Beitrag und Nutzen für die Schweiz

Das PathFinder-Projekt vereint die europäischen Waldmonitoringdaten mit dem Ziel, aktuelle und akkurate europaweite Karten zu Kohlenstoff-, Biomasse- und Volumenschätzungen und -veränderungen zu erstellen. Die Daten werden ausserdem zur Kalibrierung von Modellen verwendet, die die zukünftige Walddynamik simulieren. Dazu gehören Modelle, die Veränderungen im Totholz, in der Streu (organische Abdeckung) und im Boden darstellen. (Projektleiter: Markus Didion, WSL).

Diese beiden Hauptziele von PathFinder sind für die Schweiz relevant, weil ...

... die räumlichen Karten auch für die Schweiz erstellt werden und als Ausgangspunkt für weitere Projekte genutzt werden können;

... die Schweiz von den Verbesserungen im Monitoring oder der CO2-Berichterstattung im Rahmen ihrer internationalen Verträge (UNFCCC & Paris Agreement; FAO; Forest Europe) profitiert.

... die harmonisierten Ergebnisse für die Schweiz können in FISE (Forest Information System for Europe), der europäischen Umweltbehörde einfliessen.

... das Schweizerische Landesforstinventar und die SwissAIM-Initiative mit der Entwicklung der Methoden übereinstimmen und davon profitieren.

 

  

 

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