26.06.2026 | Stephanie Kusma | WSL News
Am 29. Juni werden die Schneereserven der Schweizer Gletscher aufgebraucht sein. Sie verlieren dann mit jedem Liter Schmelzwasser an Substanz – es ist Gletscherschwundtag. 200 Quadratkilometer Eis, eine Fläche fast so gross wie der Kanton Zug, sind allein zwischen den Extremjahren 2003 und 2022 verschwunden. Das zeigt sich im Schmelzwasservolumen, wie Analysen der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL zeigen: Obwohl der Eisschwund im Sommer 2022 stärker war als 2003, floss weniger Wasser aus den Gletschern ab.
- Am 29. Juni ist Gletscherschwundtag, der Tag, ab dem die Gletscher mit jedem Liter Schmelzwasser an Eisvolumen verlieren.
- Der bisherige Verlauf der Gletscherschmelze ist jener im Jahr 2022 dicht auf den Fersen – der schlimmsten bisher in der Schweiz gemessenen.
- Der Verlust an Gletscherfläche macht sich bereits in der Menge des Wassers bemerkbar, das in Extremjahren von den Gletschern kommt.
Das Jahr hat für die Schweizer Gletscher nicht gut angefangen und geht noch schlechter weiter: Die Schneedecke auf ihnen war im April teils rekordtief oder bestenfalls, für einzelne Gletscher, durchschnittlich. Im März blies es Saharastaub in die Schweiz, und zurzeit schmort die Schweiz unter einer Hitzewelle. Die Folge: Das Eis schmilzt extrem und bereits am 29. Juni ist Gletscherschwundtag (Glacier Loss Day), der Tag, von dem an alles Schmelzen an die Substanz geht. Was noch an Schnee auf dem Gletscher liegt, und ihn «füttern» könnte, ist durch das Schmelzen in den tiefer liegenden Bereichen bereits ausgeglichen und jeder heisse Tag führt unmittelbar zu einer Abnahme des Eisvolumens.
Im Jahr 2022 lag dieser Tag noch ein paar Tage früher, am 26. Juni. Auch damals hatte es im Winter wenig geschneit, und mit drei Hitzewellen war das Jahr in der Schweiz (bislang) das wärmste seit Messbeginn 1864. Die Sommertemperaturen waren nur im Hitzesommer 2003 höher. Die Gletscher schmolzen 2022 stärker als jemals zuvor – übers ganze Jahr hinweg verloren sie rund sechs Prozent ihrer Masse. In der aktuellen Hitzewelle scheint es, als wäre ihm dieses Jahr dicht auf den Fersen (siehe Grafik).
Das starke Schmelzen hat auch etwas Gutes: Das Wasser der Gletscher hilft, sinkende Wasserstände und steigende Wassertemperaturen abzufedern, zumindest, solange es noch genügend Gletscherfläche gibt. In Extremjahren – also dann, wenn es am nötigsten ist – könnte sich der Gletscherschwund allerdings bereits bemerkbar machen. Wie Forschende der Eidg. Forschungsanstalt WSL zeigen, trug das Schmelzwasser der Gletscher zwischen Juni und August 2022 in den meisten untersuchten Einzugsgebieten weniger zum Abfluss bei als in den drei Sommermonaten 2003 – und das, obwohl die Gletscher 2022 viel stärker schmolzen.
«Der Rückgang der Eisfläche macht sich schon eindeutig bemerkbar», sagt Matthias Huss, Glaziologe an der WSL und der ETH Zürich. Noch ist die Reduktion des Schmelzwassers im Vergleich von 2003 und 2022 aber ein Einzelfall: «Die Schmelzraten, die seit 2022 jedes Jahr extrem hoch waren und auch im mehrjährigen Mittel seit 2003 deutlich steigen, verbergen diesen Effekt zurzeit noch.» Deshalb beobachten die Forschenden zurzeit noch keinen Rückgang des Schmelzwassers. Das werde aber nur noch eine beschränkte Zeit anhalten, warnt Huss – bis die Eismassen so klein geworden sind, dass selbst extreme Schmelzraten den Verlust an Masse nicht mehr auffangen können.
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