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Wurzeldeformationen bei Forstpflanzen

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Ausgrabungen in Aufforstungen der vergangenen 40 Jahren haben gezeigt, dass Wurzeldeformationen häufig auftreten!

 

Topfpflanzen aus Weichwandcontainern

In extremen Lagen wachsen die Topfpflanzen in der Regel zwar besser an als wurzelnackte Pflanzen, doch gerade auf Extremstandorten ist eine stabile Verankerung von grosser Bedeutung. Die Folgen dieser Missbildungen sind nicht sofort ersichtlich; erst im Stangenholzalter zeigen sich dann Stabilitätsprobleme.

 

Bei der künstlichen Pflanzennachzucht sind Deformationen am Wurzelwerk kaum zu vermeiden. Schon mit dem ersten Wurzelschnitt, welcher für die Verschulung der Bäume nötig wird, kann die negative Entwicklung des Wurzelwerkes beginnen. Bei der maschinellen Verschulung kommt es oft zum ersten Abknicken der Wurzelspitzen. Bei der Vertopfung entstehen weitere Deformationen. Der erneut nötige Wurzelschnitt erhöht den Feinwurzelanteil weiter, was sich zwar auf die Nährstoffaufnahme positiv auswirken kann, jedoch die Ausbildung von starken Verankerungswurzeln eher hemmt.

 

Ein Drehen der Wurzeln im Topfinneren, wie z.B. bei Blumen in runden Tontöpfen, kann für Forstpflanzen fatale Folgen haben. In vielen Fällen konnten wir beobachten, dass die Bäume schon nach wenigen Jahren einen gedrehten Wurzelknäuel entwickelt haben. Die Wurzel schnüren sich so selber langsam gegenseitig ab. Auch wenn der hemmende Topf schon lange entfernt wurde oder sich zersetzt hat, findet der Baum nicht zu einem natürlichen standfesten Wurzelwerk zurück.

 

Verhütung von Wurzeldeformationen bei Topfpflanzen

Folgende Arbeitsvorgänge können Deformationen an den Wurzeln verursachen:

  • Ein Abknicken der Wurzeln bei der maschinellen Verschulung. Davon sind vor allem Bäume mit Pfahl- oder Herzwurzeln betroffen.
  • Der Wurzelschnitt ist bei kleinen Pflanzen nicht nötig oder nur dann durchzuführen, wenn die Wurzeln keine natürliche Lage im Topf finden. Auf eine Ausgewogenheit zwischen Wurzeln, Feinwurzeln und Spross sollte geachtet werden, und zwar im Verhältnis ein Drittel im Topf und zwei Drittel oberirdisch. Die Topfgrössen sollen immer den zu vertopfenden Wurzelwerken angepasst sein.
  • Die Arbeiten sollten unter Dach oder im Freiland nur bei windstillem, regnerischem Wetter durchgeführt werden.
  • Keine schlecht durchwurzelbaren Töpfe verwenden. Bei der Pflanzung in hohen Lagen werden die Töpfe mit Vorteil entfernt.
  • Im Topfpflanzenquartier dürfen die Töpfe nie trocken. Nur so ist eine problemlose Durchwurzelung möglich. Die Bedingungen sind leicht kontrollierbar.
  • Topfpflanzen dürfen nicht beliebig lang im Topfquartier verweilen, da sonst schon nach einer Vegetationsperiode die Luftwurzeln vertrocknen oder in den benachbarten Topf wachsen.
  • Für den Transport in das Aufforstungsgebiet und für die Feinverteilung im Gelände empfehlen wir bei grösseren Pflanzenmengen, ein oder mehrere Zwischenlager anzulegen. Damit erreichen wir, dass die Wurzelpitzen das Pflanzloch frisch und vital erreichen.

 

Topfpflanzen aus Hardwandcontainern

Samen schnellwüchsiger Baumarten werden direkt in den Topf eingesät und bleiben nur während einer halben bis ganzen Vegetationsperiode in den Hartwand-Containern. Nachkommen von Hochlagen und langsam wachsende Baumarten sollten höchstens zwei Jahre in einem Hartwand-Container verweilen, da sonst Deformationen am Wurzelwerk vorprogrammiert sind.

  

Wurzelschnitt bei Nacktwurzlern

Auf einen Wurzelschnitt sollte, wenn möglich, verzichtet werden. Auf keinen Fall darf er dazu dienen, die Pflanze einem bestimmten Pflanzverfahren anzupassen. Ist dennoch ein Wurzelschnitt nötig, sind die folgenden Punkte zu beachten.

  • Der Wurzelschnitt ist unmittelbar vor der Pflanzung auszuführen
  • Nur so viele Wurzeln wie nötig schneiden
  • Das Verhältnis zwischen Wurzelwerk und Spross muss ausgewogen bleiben
  • Den Feinwurzelanteil mit den Mykrorrhiza-Pilzen nicht stark reduzieren
  • Pflanzen einzeln schneiden, nicht ganze Bündel
  • Wurzeln mit einem sauberen Schnitt entfernen; dafür eignet sich eine scharfe Schere oder ein Messer.
 

Die wenigsten Verbraucher können auf Pflanzen aus eigener Nachzucht zurückgreifen. Deshalb müssen die angelieferten Bäume sofort auf Qualität und Vollständigkeit überprüft werden. Entscheidend für den späteren Anwuchserfolg ist der Frischezustand. Ausgerissene Wurzelteile, Wurzelbrüche oder Wuchsformen wie Zwiesel müssen aussortiert werden. Auch sind fehlende Gipfelknospen, Insektenschäden, oder mit Pilzen befallene Pflanzen im Frischhaltesack nicht zu akzeptieren.